Die Rettung ihres Bruders führt Bildhauerin Ravenna unerwartet nach Florenz. Dort soll sie für die mächtige Familie Luni arbeiten und mithilfe ihrer magischen Gabe fünf Nachtflammen-Juwelen auslösen. Der Sohn der Familie, Saturnino, soll sie dabei überwachen. Schon bald gerät Ravenna zwischen die Fronten verschiedener Mächte und muss sich überlegen, wem sie wie weit vertrauen kann, um ihr Überleben zu sichern. Saturnino schleicht sich dabei immer mehr in ihre Gedanken und in ihr Herz.
Als ich das Cover gesehen habe, hat es mich sofort in seinen Bann gezogen und ich wollte unbedingt mehr über die dazugehörige Geschichte erfahren. Es sieht selbst bereits aus wie ein Kunstwerk. Insbesondere das Juwel in seiner Mitte hat meine Blicke direkt auf sich gezogen - und das nicht ohne Grund, wie ich später erfahren durfte. Die sogenannte Nachtflamme bildet auch inhaltlich das zentrale Element der Geschichte und ist von Anfang bis Ende präsent. Leider war ich es nicht immer. Ich habe recht lange gebraucht, um mich in die Geschichte einzufinden. Und das, obwohl historische Romantasy eigentlich genau mein Genre ist und ich die letzten Bücher der Autorin sehr gemocht habe. Ich glaube, es lag daran, dass man nicht allzu viel über die Protagonistin und ihre Familie erfährt. Und abgesehen von der Entführung ist sehr lange nichts Spannendes passiert. Auch die Liebesgeschichte hat sich sehr langsam angebahnt, was per se nicht schlimm ist, hier aber zusätzlich zur Langatmigkeit beigetragen hat. Ich hätte mir also mehr Tempo gewünscht, um die gesamte Geschichte so gut zu finden, wie ich sie im letzten Drittel fand. Denn dann habe ich auch mit den Figuren fühlen können, dann gab es unerwartete Wendungen. Auch die Grundidee hat mir sehr gefallen. Florenz zur Zeit der Renaissance und magische Juwelen, das klang sehr innovativ. Für mein Empfinden lag der Fokus aber zu wenig auf der Magie-Thematik. Es ging immerzu um einen der Juwelen, über die anderen und deren Kräfte hat man kaum etwas erfahren. Überhaupt wurde nur in Ansätzen über weitere magische Kreaturen wie Fae und Vampire und die gesamte magische Welt gesprochen. Vielleicht wollte sich die Autorin offen lassen, darüber in einer anknüpfenden Geschichte noch mehr zu schreiben. Nichtsdestotrotz wäre innerhalb der fast 700 Seiten gewiss Platz gewesen, mehr darüber zu erzählen. Abgesehen von der Protagonistin konnte ich mit der Zeit auch mit Saturnino warm werden und insbesondere die Katze Ombretta ist mir ans Herz gewachsen. Was für ein schöner Name?! Den weiteren Figuren konnte ich nicht wirklich viel abgewinnen, vielleicht, weil auch über sie zu wenig gesprochen wurde. Und noch ein letzter Kritikpunkt: Mir ist bewusst, dass Gewaltszenen authentisch beschrieben werden sollten, aber mir persönlich sind diese zu detailliert ausgefallen. Überhaupt gibt es sehr viel Gewalt und Totschlag, das war teilweise schon überwältigend. Das sollte man wissen, bevor man diese Geschichte liest. Trotz allem hat es mir gefallen, Ravenna durch alle Herausforderungen zu begleiten, in ihren schwachen und starken Momenten. Im letzten Drittel des Buches haben die verschiedenen Perspektiven die Geschichte besonders bereichert. Auch hat es die Autorin geschafft, die verschiedenen Handlungsstränge im Blick zu behalten und diese am Ende alle wieder zusammenzuführen. Davor ziehe ich meinen Hut.
Fazit: Historische Romatasy im alten Florenz mit mehr Grausamkeit als Magie, aber einer berührenden Liebesgeschichte, die nichts erschüttern kann. Anfangs etwas langatmig, am Ende dafür umso packender.