Paris, Mitte des 19. Jahrhunderts. Mitten im Herzen der Stadt wächst ein Ungeheuer heran. Stockwerk für Stockwerk, Abteilung für Abteilung, Jahr für Jahr frisst es sich durch ein ganzes Stadtviertel - verschluckt alte Häuser, ruiniert Kleinhändler, zieht Tausende von Käuferinnen in seinen glitzernden Bann. Es heißt "Paradies der Damen", und sein Herrscher ist Octave Mouret: skrupellos, brillant, von einer Kaltblütigkeit, die er selbst für Modernität hält. Als einer der Ersten erkennt Zola das neue Warenhaus als Kathedrale der Neuzeit - einen Ort, der die Gesellschaft von Grund auf verändert. Denn das Kaufhaus ist mehr als ein Geschäft. Es war gewissermaßen der einzige öffentliche Ort, den Frauen ohne männliche Begleitung aufsuchen durften - ein Reich der weiblichen Freiheit und zugleich ein sorgfältig konstruiertes Netz der Verführung, in dem Mouret die Frauen mit psychologischer Raffinesse um ihren Verstand und ihr Geld bringt. In diesen Tumult tritt Denise Baudu - jung, provinziell, mit einem einzigen schlichten Wollkleid und einer Würde, die niemand erwartet. Sie kommt aus der Normandie, sucht Arbeit, findet Demütigungen. Und doch ist es ausgerechnet sie, die den unbesiegbaren Mouret aus der Bahn wirft. Nicht durch List oder Koketterie, sondern durch das einzige, womit er nicht rechnet: durch ihren unerschütterlichen Charakter. Zola begründete für diesen Roman den ersten Kaufhausroman der Weltliteratur und schuf dabei weit mehr als eine Liebesgeschichte. "Das Paradies der Damen" ist ein atemberaubendes Panorama des kapitalistischen Aufbruchs, des Untergangs einer alten Welt und der Geburt der modernen Konsumgesellschaft - beschrieben mit der Präzision eines Soziologen und der Leidenschaft eines großen Erzählers.