Solider Roman, der die Kluft in der Gesellschaft im Schottland des 19. Jahrhunderts widerspiegelt
Inhalt: Lady Hazel Sinnett möchte unbedingt Chirurgin werden - was für sie als Frau jedoch unmöglich ist. Bis der Dozent Dr. Beecham sich auf einen Deal einlässt: Wenn sie die medizinische Prüfung ohne Unterricht besteht, darf sie bei ihm studieren. Zum Glück trifft die junge Frau auf Jack Currer - einen Auferstehungsmann, der Leichen ausgräbt und sie zu Lehrzwecken verkauft. Jack hilft Hazel nicht nur beim Lernen, sondern weckt auch ungeahnte Gefühle in ihr. Doch als sie an den Toten immer mehr Besonderheiten entdecken, finden sich die beiden plötzlich in einem Netz aus Geheimnissen und Intrigen wieder ... Meinung: Mit "Anatomy" habe ich mich an einen historischen Roman gewagt, der eigentlich fernab meines Lesegeschmacks ist. Ich muss zugeben, dass mich das Cover zum Kauf animiert hat, außerdem erhoffte ich mir ein bisschen Thrill aufgrund des Klappentextes.Der Roman liest sich flüssig, sodass ich erstaunlich gut vorangekommen bin. Meistens scheitert es daran, dass mir der Schreibstil nicht gefällt, da kann die Story noch so gut sein. Aber hier flog ich nur so durch die Seiten, wobei die Schreibe für mich weder außergewöhnlich noch anspruchsvoll war, aber gut und angenehm zu lesen.Mit Hazel ist der Autorin eine sympathische Protagonistin gelungen, die ihre Träume verfolgt, obwohl alle Welt gegen sie ist. Zwangsverheiratet zu werden und die feine Dame zu spielen, gehört keinesfalls zu ihren Zielen. Frauen hatten es im 19. Jahrhundert nicht leicht. Ihre Begeisterung und ihr Durchsetzungsvermögen im Hinblick auf das Studium sind bewundernswert und gespannt verfolgte ich ihren Werdegang. Auch Jack Currer habe ich ins Herz geschlossen.Die Umstände auf Schottlands Straßen zu dieser Zeit haben mich schockiert. Man lernt im Geschichtsunterricht zwar über die damaligen Verhältnisse, aber hier taucht man nochmal in die Szenen ein und erlebt das Elend mit. Grausige Stellen gibt es auch einige. Da muss man als Leser durch.Der Schluss ist mit einer kleinen Portion Thrill versehen, was mir gefallen hat. Leider kommt dort auch eine Erklärung, die mir persönlich zu fiktiv war. Im Großen und Ganzen hat mir das Buch aber gefallen und ich vergebe 4 von 5 Sternen.