Noch bevor ich die erste Zeile gelesen habe, begeistert mich In Stormy Weather mit seinem Layout. Sowohl äußerlich als auch in der Innengestaltung ist dieses Buch bildschön. Alles ist perfekt auf das Thema Meteorologie ausgelegt und ich habe direkt Lust, in diese Geschichte zu starten.
Diese baut auf einzelne Monate auf und beginnt im Juni mit dem Auftakt der Hurrikan-Saison in Florida. Quincy und Sebastian erzählen die Geschichte abwechselnd in der Ich-Perspektive. Mediale Einschübe runden In Stormy Weather mit Chatverläufen, Ausschnitten aus dem The Rainy Day Show Broadcast und dem dazugehörigen Kommentarbereich gekonnt ab.
Der Einstieg fällt mir leicht, als ich Quincy kennenlerne und erste Einblicke in die Meteorologie bekomme. Der Plot rund um die Leidenschaft für das Wetter, für Tornados und Hurrikanes ist für mich etwas völlig Neues im Romance-Genre. Die Kombination aus der lebensgefährlichen Jagd nach Wirbelstürmen und der langsamen Entwicklung der Liebesgeschichte bringt eine packende Tiefe in die Handlung und macht In Stormy Weather unheimlich vielschichtig und lebendig.
Chelsea Curto schreibt in einem lockeren, modernen Stil mit einem kleinen Augenzwinkern und fängt die jeweilige Stimmung einer Szene super ein. Sie erklärt viele wetterspezifische Details extrem interessant. Stellenweise driftet sie jedoch in eine nerdige Fachsprache ab, dass ich manchmal beim Lesen abschalte. Inhaltlich passt das zwar super zu den jeweiligen Szenen, aber mir ist es dann zu viel Information. Doch sie fängt mich immer wieder schnell ein, sodass ich die kleinen Aussetzer kaum bemerke.
Besonders gut gefällt mir, dass Quincy und Sebastian sich eher als Rivalen auf Augenhöhe statt als klassische, erbitterte Feinde begegnen. Gerade in der ersten Hälfte des Buches sind ihre Wortgefechte unglaublich stark und ich habe richtig Freude daran. Später wandeln sich diese eher in eine lieb gewonnene Stichelei um, gemischt mit einem flirtenden Unterton, den ich sehr mag. Dank der gewählten Ich-Perspektive sehe ich als außenstehende Person früh, dass diese zwei Charaktere zusammengehören.
Auf der fachlichen Ebene besitzen sie eine großartige Chemie, die Quincy allerdings lange Zeit verdrängt. Insgesamt empfinde ich beide Charaktere als angenehm reif und ich weiß es sehr zu schätzen, dass hier auf künstliche Dramen verzichtet wird. Sebastians tiefe Gefühle, seine Bewunderung für ihre Intelligenz und sein Support für Quincy sind absolut herzerwärmend. Ich mag seine neckende Art und vor allem seinen Einsatz in den richtigen Momenten.
Ich liebe es, dass Qunicy in ihrem Bereich eine absolute Expertin ist und sich auf keinen Fall kleinreden lässt. Ihren Frust über die Benachteiligung in einer männerdominierten Welt und ihren Kampf um Anerkennung verstehe ich vollkommen. Sie möchte unabhängig sein und dafür arbeitet sie unermüdlich. Allerdings eiert mir Qunicy emotional zu lange herum, denn ihre Distanziertheit aus Angst vor Zurückweisung wird im Verlauf schon ein bisschen ermüdend, besonders weil Sebastian so viel tut, um sie zu unterstützen und ihr die Sicherheit zu geben, die sie benötigt.
Die Freundesclique der beiden sind wundervolle Nebencharaktere und großartig aufgebaut. Sie stützen den Handlungsrahmen gekonnt, allerdings habe ich auch immer öfter das Gefühl, dass hier noch Geschichten unerzählt sind. Besonders bei Sebastians Schwester Mia warte ich die ganze Zeit insgeheim auf den großen Knall, der jedoch ausbleibt und mich vermuten lässt, dass es Folgebände geben könnte.
Das unkontrollierbare, stürmische Wetter trägt richtig gut zur Spannung bei und steigert das Erzähltempo enorm. Gerade die gefährlichen Szenen, in denen die beiden sich für ihr Infomaterial den Naturgewalten aussetzen, jagen mir eine Gänsehaut über den Körper. Ich kann mir das Geschehen im sommerlich heißen Florida bildlich vorstellen und spüre die Angst, wenn die Natur den Vorhersagen trotzt. Besonders die direkten Bezüge zu realen historischen Stürmen wie Katrina oder Charley machen die dargestellten Naturkatastrophen noch greifbarer und verdeutlichen die zerstörerische Kraft extrem gut.
Ich finde es klasse, dass die expliziten erotischen Szenen erst recht spät kommen und das Thema Safer Sex und Einverständnis ganz natürlich eingebunden wird. Die Atmosphäre leidet für mich manchmal jedoch darunter, dass die Protagonisten mitten in diesen leidenschaftlichen Momenten plötzlich tiefschürfende Gedanken haben und Gespräche führen. Das bremst den Augenblick aus und nimmt der Situation leider ein wenig die sinnliche Dynamik.
Zeitweise steige ich aufs Hörbuch um. Pia-Rhona Saxe macht hier einen großartigen Job. Sie schafft es Quincys Begeisterung für das Wetter so lebendig an mich zu transportieren, dass ich auch Lust habe, die Wetterphänomene besser zu verstehen.
Allerdings fällt es mir in den Dialogen oft schwer, stimmlich herauszufiltern, wer gerade spricht, wenn Alexander Schwarz liest, sodass ich manche Stellen im Buch nachlesen muss.
Schade finde ich zudem die uneinheitliche Produktion. Während manche Broadcast- oder Live-Schaltungen in den jeweiligen Rollen eingesprochen sind, fehlt diese Trennung zum Beispiel bei Chatnachrichten, was mich beim Hören verwirrt. Insgesamt fangen aber beide Sprechenden die Atmosphäre von In Stormy Weather perfekt ein.
Das Zusammenspiel aus dem unberechenbaren Wetter und der Liebesgeschichte unterhält mich bis zum Schluss auf hohem Niveau. Ich mag es sehr, dass das Ende recht unaufgeregt bleibt, dafür aber umso mehr Tiefgang besitzt und die emotionale Entwicklung der Charaktere stimmig abrundet.
Fazit:
In Stormy Weather punktet bei mir mit einer grandiosen Kulisse, spürbarer Chemie und einem interessanten MINT-Setting, das für einen tollen Spannungsbogen sorgt. Ich empfehle das stürmische Buch gern weiter.