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Rezensionsexemplar
Ich habe mich sofort in das Cover verliebt. Obwohl es noch sehr herbstlich draußen ist, gibt es für mich nichts magischeres als Schnee. Japan und Tokio üben auf mich ebenfalls eine besondere Faszination aus und so ist für mich klar gewesen, dass ich dieses Buch lesen möchte. Ich wurde in keinster Weise enttäuscht und hatte eine wirklich gute Zeit mit Caitlyn und Jude.
Zum Inhalt:
Nach einer Dienstreise ist Caitlyn in der Vorweihmachtszeit aufgrund von Schnee und Eis in Tokio gestrandet. Neben den beruflichen Gründen führte sie auch eine weitere Gelegenheit nach Tokio. Um sich die Zeit zu vertreiben, probiert sie eine Dating App aus. Eine App, bei der es darum geht Nachrichten mit mehr als 75 Wörtern zu schreiben. Keine Bilder, keine Äußerlichkeiten, einfach nur Nachrichten. Dort lernt sie Will kennen, doch Will ist nicht der, der er vorgibt zu sein.
Tokyo Seasons ist mein erstes Buch von Anne Pätzold und es wird nicht mein letztes sein.
Die Charaktere haben mich positiv überrascht. Sowohl Caitlyn als auch die Freundesgruppe um Will, Jude und Emma hatten alle ihre Päckchen zu tragen. Im ersten Moment wirkten die Charaktere für mich wie Anti-Helden, da sie alle auf ihre Art nicht ins Muster passten. Dieser Eindruck hat sich schnell zerstreut. Mir ist schnell klar geworden, dass mir alle vier sehr sympathisch sind, da sie sehr eindrucksvoll zeigen, dass hinter der lächelnden Fassade oder einer gesunden Portion Distanz viel mehr stecken kann als es dem äußeren Anschein nach tut.
Caitlyn mag direkt und eventuell auch etwas arrogant wirken, doch umso mehr ich über sie erfahren habe, umso mehr habe ich verstanden warum Caitlyn ist wie sie ist. Ähnlich verhält es sich bei Jude. Auch dieser wirkt distanziert und arrogant, aber auch er hat seine Gründe für sein Verhalten. Emma und Will bilden in dem Gespann einen wunderbaren Gegenpol. Es ist wirklich beeindruckend wie Anne Pätzold vier unterschiedliche Charaktere zusammenbringt und wie diese harmonieren. Zusätzlich beeindruckt hat mich, dass jeder für sich sprechen durfte und jeder seine Geschichte dann erzählen durfte, wenn es für den Charakter richtig war. Grenzen wurden immer akzeptiert und es gab keine unangebrachten Nachfragen in dieser Gruppe. Als selbst eher introvertiert, hat mir diese Dynamik sehr gefallen. Was noch wichtiger war, dass neben den Gesprächen und tatsächlichen Worten sehr viel zwischen den Zeilen, durch Mimik und Verhalten erzählt worden ist. Die Charaktere haben sich als ganzes gelesen und nicht nur anhand von Worten ihre Rückschlüsse auf eine Person gezogen. Außerdem wurde keinem von ihnen zu keinem Zeitpunkt vermittelt, dass er oder sie in irgendeiner Form falsch wäre, weil er oder sie nicht ins Bild passt. Das hat mich sehr gerührt. Insbesondere Caitlyn hat in diesem Punkt eine unglaubliche Entwicklung gemacht und sich durch das neue Umfeld, den Respekt und die Akzeptanz, die sie erfährt, getraut sich Gedanken und Empfindungen einzugestehen, die sie unter Verschluss gehalten hat, um anderen zu gefallen.
Ich musste mich immer wieder daran erinnern, dass die Charaktere alle Anfang 20 sind, da es nie kindisch wurde und vor allem jeder von ihnen meinem Gefühl nach schon ein ganzes Leben gelebt hat.
Caitlyn, Jude, Will und Emma sind für mich vor allem eins, sie sind echt und ich hätte sie unglaublich gern durch Tokio begleitet sowie mit ihnen gelacht und geredet.
Alle anderen Charaktere haben ihre Rolle gespielt und zur Entwicklung von insbesondere Caitlyn beigetragen. Sie waren passend zur Geschichte gewählt und worden auch so eingesetzt.
Ich hatte zu Beginn erwartet, dass die Geschichte aus mehreren Perspektiven erzählt wird. Es hat sich schnell rausgestellt, dass allein Caitlyn ihre Sicht schildert. Umso mehr die Geschichte fortgeschritten ist, umso mehr ergab dies für mich Sinn. Denn es ging vor allem um Caitlyn, ihre Entwicklung, ihre Suche und am Ende auch darum was sie daraus macht. Für mich war ihre Geschichte auf den Punkt erzählt. Ich konnte ihre Gedanken und Gefühle nachvollziehen und habe mich in manchen Gelegenheiten auch selbst in Caitlyn wiedergefunden.
Die Geschichte erstreckt sich zeitlich auf einen kurzen Zeitraum, von zwei Tage vor Heiligabend bis Silvester, doch kam mir die Handlung nie erzwungen und das Geschehen natürlich vor. Es war für mich eine Geschichte, die einem hätte auch im wahren Leben begegnen können. Ich konnte das Buch nicht beiseite legen. Dabei haben mich viele Emotionen begleitet.
Ein kleiner Wehmutstropfen ist für mich, dass es keinen Epilog gab. Ich persönlich hätte mir einen kleinen Ausblick gewünscht, was Caitlyn mit ihrer Entscheidung anfängt. Grundsätzlich gab es einige Stränge, die nicht zu Ende erzählt waren. Vielleicht wird dies in einem Folgeband aufgearbeitet oder es ist dem Leser überlassen diese Geschichten jeder für sich zu Ende zu erzählen.
Ich war sehr positiv überrascht darüber, dass die Themen toxische Familien und mentale Probleme sich zum eine natürlich eingefügt haben und zum anderen im richtigen Rahmen erzählt wurden. Es hat sich an keiner Stelle erzwungen angefühlt diesen Themen und Erzählstränge einzubringen. Mir hat auch gefallen, dass Anne Pätzold es geschafft hat zu verdeutlichen, dass diese Themen weder schwarz noch weiß sind, sondern ganz viele Gefühle und Nuancen dazwischen liegen und es vor allem emotionale und vorbelastete Themen sind, die sich nicht mit einem Fingerschnippen lösen lassen.
Mir hat es sehr gefallen, dass das einander Kennenlernen und der Aufbau einer Freundschaft im Fokus steht und erst sekundär auch die zarten Triebe von mehr sichtbar werden. Das Buch ist absolut spice frei und nimmt einen emotional trotzdem unglaublich mit. Es ist in meinen Augen perfekt.
Tokyo Seasons ist für mich ein absolutes Highlight. Lediglich der fehlende Epilog hat mich etwas traurig gemacht. Ich bin beeindruckt davon wie viele Emotionen und unterschiedliche Erzählstränge auf den etwas mehr als 350 Seiten ihren Platz gefunden haben. Mir hat gefallen wie harmonisch alles miteinander war, obwohl es nicht immer leichte Kosten gewesen ist. Trotzdem würde ich gern zu Caitlyn, Jude, Emma und Will zurückkehren, denn ihre Geschichte ist für mich noch nicht auserzählt. Ich freue mich auf andere Bücher von Anne Pätzold.
Ich kann dieses Buch absolut weiterempfehlen, wenn ...
... du Lust auf eine Reise nach Japan hast.
... zur Weihnachtszeit immer ein bisschen emotional bist.
... du vielschichtigen Charakteren begegnen möchtest.
... du beim Lesen auf eine rosa rote Brille verzichten kannst.
... du ein Buch mit ganz viel Herz und Emotionen lesen möchtest.
... du schwierige Themen wie toxische Familien und mentale Gesundheit in einem wundervollen Setting mit wunderbaren Charakteren und einer Geschichte fürs emotionale Momente lesen möchtest.
Fazit 4,5 / 5
Gefühl 3 / 5
Spannung 2 / 5
Humor 1 / 5
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