Viel Potential, aber auch noch noch Luft nach oben. Schöne Grundidee, die einen Feinschliff und vor allem ein vernüftiges Lektorat braucht.
Argh, wie gerne hätte ich dieses Buch geliebt. Auf den erste Blick standen die Sterne mehr als gut. Zuallererst: Drachen. Ich liebe Drachen, fantastische Wesen. Die Idee, die Elemente einzubauen, super. Und das Marketing verspricht viel, setzt es das Buch doch in direktem Vergleich zur Fourth-Wing-Reihe und spart nicht mit Bezügen zu Harry Potter. Mit letzterem bin ich quasi gemeinsam groß geworden, während Violet und Co. meine Liebe zum Fantasy-Genre neu entfachten. Große Fußstapfen, aber wer so aufwartet, der enttäuscht nicht. Und vielleicht starb auch meine Hoffnung zuletzt, aber lest selbst.Die Liebe der Autorin zu ihrem Werk erreichte mich durchaus, wenn ich auch zunehmend den Eindruck gewann, dass sie manchmal zu viel wollte. Aber dazu später. Die Welt von Elemoria und der Citadel ist vielfältig, die elementaren Bezüge durchdacht. Morgan baut viele kleinen Details ein, die die Umgebung vor unseren Augen zum Leben erwecken. Besonders die Bibliothek würde ich zu gerne besuchen ¿. Auch die elementaren Wohnbereiche sind mit viel Liebe ausgedacht. Gleiches gilt für den Sprachstil der Elementarierer:innen, die Meeresgötter und der Sirenengesang lassen grüßen ¿. Die Geschichte weckte durchaus mein Interesse und meine Neugier. Ich wollte erfahren, was sich hinter der Elementarfusion und der Prophezeiung verbarg. Für mich hätten die spannenden, geschichtlichen Hintergründe mehr Raum verdient gehabt. Mit diesen Voraussetzungen hätte es "donnern" können ¿¿. Doch lange ist es her, dass ich so kurz davor war, ein Buch abzubrechen. Aber "Dragons of Elements" brachte mich an meine Grenzen. Ich war froh, als nach knapp 200 Seiten etwas Bewegung in die Geschichte kam und das Feuer wenigstens als Flämmchen fackelte. Dabei war der Start ins Buch stark und machte Lust auf mehr. Dann verlor Morgan sich für mich jedoch in einer viel zu lang gezogenen Hinführung, da hätte in der Kürze Würze liegen können. Ich hielt durch, bis endlich eine überraschende Wendung kam. Aber leider wurde bis zum Schluss mein Feuer nicht entfacht. Mit Klea haben wir eine Heldin, die sich ihrem Schicksal stellt und sich nicht unterkriegen lässt. In ihre Gefühlswelt tauchte ich ein und wollte mit ihr herausfinden, was es mit den Mysterien um die Prophezeiung auf sich hat. Die unzähligen Charaktere, die diese Reise begleiten, werden dabei überwiegend eindimensional und ohne Tiefe dargestellt. Dialoge bleiben oft an der Oberfläche und Verbindungen können nur dort entstehen. Wünschenswert wäre aus meiner Sicht darüber hinaus gewesen, in den Grunddynamiken nicht in dem Ausmaß an Fourth Wing erinnert zu werden. Personell ausgestattet waren wir dafür jedenfalls mehr als gut. Das Erzähltempo ist langsam und die Autorin verliert sich in Details und Beschreibungen, die die Geschichte nicht immer voranbringen. Die Darstellung wirkt teils zu gewollt, ähnlich ging es mir mit dem Sarkasmus an mancher Stelle.Der Schreibstil ist einfach gehalten, was mich durch die Seiten fliegen ließ. Es fehlte mir jedoch das Besondere oder ein Alleinstellungsmerkmal. Immer wieder stolperte ich beim Lesen über die orthografischen oder grammatischen Bruchsteine, die meinen Lesefluss unterbrachen. Wenn ihr also wissen möchtet, woran es "jelegen" hat, bleibt dran.Eine Sache hat mich nämlich wirklich fassungslos und wütend zurückgelassen: Das schlechte Lektorat gepaart mit dem Layout! Die inhaltlichen Längen wären verzeihbar, wobei erstaunlicherweise noch manche Informationen fehlen, die mich als Leserin interessiert hätten. Erstaunlich. Aber die eigentliche Katastrophe wäre vermeidbar gewesen ¿¿¿¿:Neben Wiederholungen einzelner Wörter in einem mir ungeahnten Ausmaß, wurde dabei grammatikalisch falsch flektiert. Und ich weiß, dass "Litorium" ein Fantasiewort ist. Aber die Endung "-um" ist eine Singularendung im Neutrum. Es hätten neben "Litorien" oder "Litoria" sogar "Litoriums" sein können, wobei das auch nicht passabel klingt. Aber es ist eben "ein Litorium" und nicht "zehn Litorium". Meinetwegen lassen wir das aber noch in den Bereich der künstlerischen Freiheit fallen.Fehlende Buchstaben in einzelnen Wörtern, zu viele Wörter im Satz, Kasusfehler, fehlerhafter Satzbau, die Liste ist erweiterbar. Und versteht mich nicht falsch, sowas kann vereinzelt vorkommen, aber nicht in dem Ausmaß.Eines meiner Lowlights: "Ich weiß, wie hart dein zu dir Vater ist, Klea." (S. 126). Kurz fragte ich mich, ob Jedimeister Yoda den Weg in die Citadel gefunden hat. Aber Fehlanzeige, er war nicht vor Ort. Die Silbentrennung, ein Fiebertraum auf knapp 500 Seiten. Anteilig korrekt, teilweise falsch, manchmal gar nicht vorhanden. Ich hatte das Gefühl, mir liegt das unbearbeitete Skript vor und der Rotstift schrie förmlich, endlich in Gebrauch zu kommen. Nicht nur dadurch wurde das Layout negativ beeinflusst, sondern auch durch die nicht vorhandene Drucksymmetrie, wobei das eine persönliche Problematik ist. Dennoch können Sätze nicht einfach mittendrin ohne Sinn und Verstand in die nächste Zeile verrutschen. Absätze suchte ich vergebens. Und nein, das sind nicht nur die Teile am Schuh. Positiv angetan war ich auf den ersten Blick von dem Glossar, aber warum ist das nicht alphabetisch oder zumindest nach Vorkommen der Wörter im Buch sortiert? Es erschließt sich mir nicht. Am Ende gibt es einen Cliffhanger, der sich für mich okay. Er lässt mich aber eben auch nicht mit dem Gefühl zurück, dringend wissen zu wollen, wie es weitergeht. Und das obwohl ich die Ideen und Charaktere mag und Potential erkenne.Aber eine Leseempfehlung meinerseits ist das leider nicht.