Als Virginia zu ihrer Oma ins Castle Claude fährt, um dort der Gedenkfeier des verstorbenen Hotelbesitzers beizuwohnen, ahnt sie nicht, dass auch der Junge, den sie am Flughafen trifft, dieses Ziel hat. Bisher war sie immer das einzige Lieblingsenkelkind, wenn sie bei den Senior*innen die Ferien verbracht und bei ihren Krimispielen mitgewirkt hatte. Nun muss sie sich nicht nur gegen die Konkurrenz in Form des charmanten Felix durchsetzen, zur Testamentseröffnung erscheinen auch noch die mürrische Schwester des verstorbenen Claude und ihr aufdringlicher Neffe. Doch die Erbschaft läuft nicht wie geplant und beim nächsten Krimidinner gibt es eine echte Leiche. Virginia muss ermitteln, selbst, wenn das heißt, sich mit Felix zusammentun zu müssen.
Ganz gerne lese ich ab und zu unblutige Krimis und Thriller, daher bin ich auf das Buch aufmerksam geworden. Die Optik hat natürlich auch dazu beigetragen. Das Cover und der Farbschnitt sind modern und decken sich ziemlich gut mit den Wünschen der Zielgruppe, die eher bei jüngeren Leser*innen liegen dürfte, als ich es bin. Dennoch startete das Buch für mich ganz witzig, was vor allem an den Dialogen zwischen der bisher unangefochtenen Lieblingsenkelin Virginia und der unverhofft auftauchenden Konkurrenz Felix lag. Die Protagonistin ist beinahe geschockt davon, das auch noch andere Enkel Castle Claude genauso gut kennen und dort willkommen sind, wie sie selbst. Teilweise reagiert sie da ziemlich kindisch und übertreibt manchmal mit ihren Reaktionen, aber daran ließ sich für mich gut festmachen, das sie jünger ist, als sie ansonsten rüberkommt. Felix finde ich da fast sympathischer und sicher wird er unter den Leser*innen den ein oder anderen schmachtenden Fan finden. Im Laufe der Geschichte müssen die beiden jungen Ermittler*innen sich jedenfalls zusammenraufen und auch das ist mitunter sehr witzig geschrieben.
Etwas verwirrt haben mich anfangs die vielen Namen der Bewohner*innen von Castle Claude, das legte sich mit der Zeit. Die alten Leutchen sind teilweise etwas schräg und leben vollkommen für ihre Krimi-Spiele. Aber die Nebenfiguren insgesamt sind sehr amüsant. Da dürfen die beiden Unsympathen in Form von erbwilligen Verwandten nicht fehlen. Doch leider läuft es für sie nicht wie geplant. Virginia tat mir oft leid, denn gerade der Neffe benimmt sich ihr gegenüber einach übel und man wünscht sich, er würde verschwinden. Zwischen den Protagonist*innen gibt es viele spitze, scharfzüngige und spritzige Dialoge, bis es dann endlich eine echte Leiche gibt und die Ermittlungen beginnen. Da zog es sich etwas hin. Auch nach dem Mord dauert es etwas, bis die Befragungen und die Beweise ins Spiel kommen. Es ist also nicht nur Slow Burn Romance. Ein Motiv kann man sich ausmalen, mögliche Täter*innen gibt es genug und man kann gut mitraten, wer verantwortlich ist für den Toten im Billiardzimmer. Das letzte Drittel des Buches hat mir deshalb am besten gefallen. Insgesamt war die Geschichte mehr Romance als Crime, aber durchaus unterhaltsam zu lesen und weil die Zusammenarbeit und auch manches andere am Ende gut klappte, bin ich sehr gespannt auf einen zweiten Fall von Virginia und Felix. 4 Sterne