Nora Welsch sitzt aufgrund einer Muskelerkrankung im Rollstuhl und ist auf eine 24-Stunden-Assistenz angewiesen. Sie kann nicht mal eben so schnell irgendwohin, alles muss genau geplant werden. Auf ihren Plan, eine Weltreise zu machen, reagieren viele ablehnend. Aber Nora organisiert sich neun Assistenzpersonen, die sie unterschiedlich lang auf ihren Etappen begleiten werden. Die Reise lockt mit Freiheit und zwingt sie aus ihrer Komfortzone, doch sie ist zu allem bereit. Als Dreierteam geht es nach Kenia, Dubai, Oman, Ägypten, Japan und noch viel weiter. Es läuft nicht alles nach Plan das wäre ja zu schön gewesen
Erster Eindruck: Die sympathische Autorin auf dem Cover, in der Mitte des Buches ein grösserer Bildteil sehr schön.
Ich selbst bin nicht so die grosse Abenteurerin; ich bin nicht der Typ für Backpacking-around-the-World, aber lesetechnisch reise ich gerne überall hin mit. Allein die Inhaltsbeschreibung hat mich schon beeindruckt: Mit einer solchen Beeinträchtigung so etwas wagen Chapeau! Es hat sehr viele Momente gegeben, die mich sehr beeindruckt oder berührt haben. Diese vollständige Abhängigkeit von anderen Menschen stelle ich mir sehr schwer vor. Nora weiss, dass sie das nicht ändern kann, aber dennoch ist es für sie nicht immer im gleichen Masse einfach, dies anzunehmen. Sie reist stets mit einem Mann und einer Frau als Assistenzen. Weshalb? Nun, der Mann muss Nora des Öfteren tragen, was eine Frau in der Regel nicht so kann.
Ein kenianisches Sprichwort auf Deutsch übersetzt heisst Das Feuerholz holen. Das bedeutet, dass man sich auf das konzentrieren soll, was man machen will. Neudeutsch quasi Prokrastiniere nicht. Das hat mir sehr gefallen.
Die Weltreise erfolgte in zwei Etappen. Als sie nach der ersten Etappe zurück nach Heidelberg kommt, kann sie endlich die Kontrolle abgeben, da ihre Eltern in dieser Zeit für sie sorgen werden. Sie kennen ihre Bedürfnisse aufs Beste und Nora merkt, welche Last von ihr abfällt. Die Zeit in Deutschland ist jedoch vom Dengue-Fieber überschattet. Dengue-Fieber? In Deutschland? Ja, das hat sie als Souvenir von Thailand mitgebracht und beutelt sie stark. Nach ihrer Genesung und Neuplanung der weiteren Reise geht es auf die zweite Etappe.
Jeder Mensch hat seine Limitationen und seine Geschichte. Wohl wahr!
Das Buch hat mir unwahrscheinlich viele Einblicke gegeben, sei es in die verschiedenen Reiseziele und deren Kulturen, aber auch, mit welchen Herausforderungen das Reisen im Rollstuhl daherkommt. Nicht überall bedeutet barrierefrei auch das, was man sich landläufig darunter vorstellt. Nora weist beim Buchen einer Unterkunft vorgängig stets darauf hin, dass sie im Rollstuhl sitzt, was grundsätzlich no problem ist, aber dann tauchen vor der Unterkunft plötzlich zig Stufen auf nun ist es eben doch ein Problem! Wie einleitend erwähnt, bin ich nicht die Abenteurerin und daher bewundere ich ihren Mut gleich doppelt. Vielen Dank für diese persönlichen Einblicke! Von mir gibt es 5 Sterne.