Seit Bella Darling vor einem Jahr am Flughafen versehentlich ihre Koffer vertauscht hat, schreibt sie mit dem geheimnisvollen Z. Aus dem anfänglichen Austausch ist längst viel mehr geworden: Z ist verständnisvoll, aufmerksam, liebevoll und scheint genau zu wissen, was Bella braucht. Ganz anders sieht es in ihrem realen Datingleben aus, in dem ein katastrophales Date das nächste jagt. Über ihre Erlebnisse schreibt sie eine Kolumne, die sich großer Beliebtheit erfreut, bis diese plötzlich eingestellt werden soll.
Bella braucht also eine neue, große Lovestory! Und was wäre dafür besser geeignet als ein romantisches Wiedersehen mit Z? Dumm nur, dass sich hinter diesem ausgerechnet Zach verbirgt, eines ihrer schlimmsten Dates, über das Bella bereits ausführlich geschrieben hat. Als eine Notlandung die beiden dazu zwingt, mehr Zeit miteinander zu verbringen als geplant, sind Chaos und Missverständnisse vorprogrammiert. Doch vielleicht steckt hinter Zach ja viel mehr, als Bella bisher gesehen hat?
Ich habe mich riesig gefreut, dass es noch einen weiteren Band aus dieser Reihe gibt! Ich liebe "Purple Clouds" von Mounia Jayawanth einfach so sehr und habe das ganze Team und das Universum rund um Purple Clouds längst fest in mein Herz geschlossen. Umso schöner war es, wieder in diese Welt eintauchen zu dürfen.
Und dann dieses Setting! Dieses Mal wird es weihnachtlich und einfach unglaublich cozy. Schneespaziergänge, ein kuscheliges, kleines Hotel, Kerzenziehen, heiße Getränke und ein Schneesturm. Hier war wirklich alles dabei, was mein Winter- und Weihnachtsherz höherschlagen lässt. Ich bin beim Lesen direkt in Weihnachtsstimmung gekommen, obwohl draußen eigentlich noch Herbst ist. Ein bisschen schade finde ich es deshalb schon, dass das Buch so früh erscheint und man noch gar nicht richtig in der passenden Jahreszeit angekommen ist. Aber gut, dann gab es eben eine kleine Portion vorgezogenen Winter- und Weihnachtszauber, den ich definitiv genossen habe!
Was ich an Mounia Jayawanths Büchern aber mindestens genauso liebe wie die Atmosphäre, ist ihr Umgang mit gesellschaftlich relevanten Themen. Für mich ist sie eine absolute Queen darin, Themen wie Feminismus, Rassismus, Sexismus, Mental Load, Mental Health, Intersektionalität, Diversität und Co sensibel und authentisch in ihre Geschichten einzubinden. Auch hier gibt es wieder ganz viel Repräsentation, Aufklärung und Perspektiven, die zum Nachdenken anregen und Verständnis schaffen. Dabei wird nie mit erhobenem Zeigefinger erzählt oder vorschnell gewertet. Stattdessen begegnet die Autorin ihren Figuren und ihren Themen mit unglaublich viel Feingefühl, Rücksicht und Menschlichkeit. Genau das macht ihre Bücher für mich so besonders. Sie öffnen Augen, ohne zu belehren, und schaffen Raum für unterschiedliche Erfahrungen.
Im Mittelpunkt steht natürlich die Liebesgeschichte zwischen Bella und Zach, die alles andere als eine klassische 08/15-Romance ist. Die beiden könnten unterschiedlicher kaum sein, und gerade deshalb fand ich ihre langsame Annäherung so gelungen. Es gibt Missverständnisse, unterschiedliche Wahrnehmungen und Momente, in denen sie erst lernen müssen, einander wirklich zu verstehen. Für mich wirkte das dabei nicht künstlich konstruiert, sondern passte zu ihren unterschiedlichen Persönlichkeiten und ihren bisherigen Erfahrungen. Mir hat besonders gefallen, dass die Beziehung Zeit bekommt, sich zu entwickeln, und nicht plötzlich alles wie von Zauberhand funktioniert. Zwischen den beiden entsteht etwas, das auf gegenseitigem Respekt, Verständnis und Kommunikation auf Augenhöhe beruht. Eine Beziehung, in der man sich nicht verbiegen muss, sondern lernen darf, sich selbst und den anderen besser zu verstehen. Genau solche Liebesgeschichten mag ich!
Zach ist mir dabei besonders ans Herz gewachsen. Seine Darstellung im Autismus-Spektrum fand ich wirklich gelungen und authentisch umgesetzt. Seine Eigenheiten, seine Wahrnehmung und seine Art, mit Situationen umzugehen, werden ernst genommen und nicht einfach als niedliches Charaktermerkmal abgetan. Ich hatte das Gefühl, dass seine Persönlichkeit wirklich Teil der Geschichte ist und nicht bloß ein Aspekt, der für ein bisschen zusätzliche Emotionalität sorgen soll. Gerade im Zusammenspiel mit Bella entstehen dadurch schöne, aber auch nachdenklich stimmende Momente.
Mit Bella hatte ich anfangs hingegen ein paar Schwierigkeiten. Vor allem ihre Art, über ihre Dates zu schreiben, fand ich stellenweise nicht ganz einfach und konnte ihre Sichtweise nicht immer sofort nachvollziehen. Trotzdem mochte ich sie schnell sehr gerne. Ihre Direktheit, ihre offene, chaotische und manchmal herrlich tollpatschige Art machen sie unglaublich menschlich und nahbar. Besonders schön fand ich ihre persönliche Entwicklung. Sie ist nicht perfekt, macht Fehler und muss auch ihre eigenen Ansichten hinterfragen und genau das hat sie für mich interessant gemacht.
Auch der Schreibstil hat mir wieder richtig gut gefallen. Mounia Jayawanth schreibt angenehm flüssig, emotional und mit einer guten Mischung aus Humor, Tiefgang und Leichtigkeit. Die Geschichte lässt sich wunderbar lesen, ohne dabei oberflächlich zu werden. Gerade diese Balance zwischen cozy Wohlfühlromance und ernsteren, gesellschaftlich relevanten Themen macht für mich den besonderen Reiz aus. Und auch wenn ich zwischendurch meine Vermutungen hatte, konnte mich die Enthüllung gegen Ende tatsächlich überraschen. Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet! Rückblickend fand ich sie aber sehr stimmig und passend zur Geschichte. Für mich eine gelungene Wendung.
Fazit
"Purple Clouds Mistletoe" ist für mich eine wunderschöne, cozy und gleichzeitig tiefgründige Romance, die mich wieder einmal daran erinnert hat, warum ich diese Reihe so sehr liebe. Eine tolle Weihnachtsatmosphäre, authentische Charaktere, eine langsame Annäherung voller Gefühl und wichtige Themen, die mit ganz viel Sensibilität behandelt werden. Ich habe die Rückkehr in dieses Universum auf jeden Fall sehr genossen.