Viel Spice, wenig Ermittlungen, zu trashy und nicht mein Humor ("Eckzahnständer")
Celine arbeitet als Detective bei der Polizei und führt davon abgesehen eigentlich ein eher normales Leben, bis sie auf Zavier trifft. Denn Zavier ist ein Vampir und nutzt seine übermenschlichen Fähigkeiten, um als selbsternannter Rächer Verbrecher zur Strecke zu bringen. Auf einem seiner "Einsätze" entdeckt er Celine und verliebt sich instant in sie. Fortan stellt er ihr nach, um sich bei ihr ins Spiel zu bringen, schließlich sind sie Seelenverwandte... Leider konnte mich "Loving a Vampire is total Chaos" nicht überzeugen und ich gehe aus der Geschichte vor allem mit dem Gefühl heraus, dass sie so viel Potential gehabt hätte.Celine als weibliche Hauptfigur blieb für mich leider eher ein eindimensionaler Charakter. Ihre Gedanken und Gefühle wirkten auf mich überwiegend recht flach, insbesondere, dass sie es einfach so akzeptierte, dass Zavier ihr offensichtlich nachstellt wie ein Stalker, obwohl sie aus ihrer Profession heraus als Polizistin für solche Vorgänge eigentlich sensibilisiert sein sollte. Hinzu kam z.B., dass sie selbst ein Mensch ist und zuvor nichts von magischen Wesen wusste, die es im Roman gibt. Als sie dann erfuhr, dass ihr Zavier ein Vampir ist, reagierte sie in meinen Augen allerdings ziemlich entspannt und wenig überrascht. Gerade hier hätte ich mir deutlich mehr Auseinandersetzung und Introversion gewünscht, schließlich sind das big news.... Ihre beste Freundin hat da deutlich mehr Reaktion an den Tag gelegt.Eine Stärke des Romans war für mich allerdings Celines Umgang mit ihrem demenzkranken Vater. Sie wurde schon sehr früh von ihrer Mutter verlassen, sobald der Vater ins Heim kam. Die Auseinandersetzung mit der Erkrankung und Lebensumstände des Vaters fand ich wirklich gut umgesetzt - leider wurde der Part der Mutter bzw. Celines Auseinandersetzung mit ihrer Trauer und Wut über die Mutter, die die Familie verlassen hat, sehr oberflächlich abgehandelt. Auch hier wäre mehr Potential gewesen, um Celine als Charakter mehr Tiefe zu verleihen..Der männliche Love Interest Zavier wurde nicht nur als Vampir, sondern vor allem als Rächer eingeführt. Er brachte Gangster, Clanmitglieder und andere Verbrecher in Selbstjustiz um. Schon damit hatte ich meine Probleme und hätte mir hier deutlich mehr Auseinandersetzung damit gewünscht, insbesondere auch damit, warum er überhaupt zum Serienmörder geworden ist. Doch auch das wurde von Celine mehr oder weniger umgehend akzeptiert. Nach seiner Einführung als Rächer sah er Celine, verliebte sich quasi schockartig und begann plötzlich, mehrere Männer umzubringen, nur weil sie mal mit Celine gesprochen oder nach einem Date gefragt haben. Ähm ... das ging für mich gar nicht und passte auch nicht zum eigentlichen Rachevampir. Dazu kam, dass sich Zavier in meinen Augen extrem übergriffig, toxisch und stalkend verhielt. Als Love Interest hat er bei mir deshalb überhaupt nicht funktioniert und ich fand es auch wirklich merkwürdig, dass Celine sich insgesamt so viel gefallen bzw. passiv über sich ergehen ließ. Gerade als Polizistin hätte ich da mehr erwartet.Sehr gut fand ich dagegen, wie die Hintergründe dazu aufgelöst wurden, wie Zavier zum Vampir wurde. Das war für mich tatsächlich einer der interessanteren Aspekte der Geschichte.Auch die Beziehung zwischen den beiden konnte mich leider nicht wirklich abholen. Beide waren von Anfang an extrem ineinander verschossen - allerdings nicht auf eine süße "schockverliebt"-Art, sondern sehr stark auf sexueller Ebene. Die Anziehung zwischen den beiden konnte ich leider nicht spüren. Dazu kam viel Spice, der mich generell nicht stört, aber hier kam er für meinen Geschmack einfach viel zu früh und wirkte teilweise eher vulgär und übertrieben.Was ich mir außerdem deutlich mehr gewünscht (und auch erwartet) hätte, war der Krimianteil. Celine ist schließlich Polizistin und ermittelt in mehreren Fällen, trotzdem hatte ich nicht das Gefühl, dass wirklich kriminalistisch ermittelt wurde. Stattdessen stümperte sie irgendwie nur herum. Im Laufe der Handlung wurde zudem klar, dass jemand Celine nach dem Leben trachtet, aber auch hier gab es für mich keine wirklichen Nachforschungen. Und der Grund und dessen Enthüllung, warum diese Person es letztendlich auf Celine abgesehen hatte, war für mich zudem leider sehr unglaubwürdig und ein bisschen lächerlich.Auch einige Logikfehler bzw. Dinge, die für mich nicht nachvollziehbar waren, haben mich gestört. Zum Beispiel besaß Zavier als Vampir einen extrem ausgeprägten Geruchssinn und versuchte sogar, Celine darüber zu finden. Doch sobald er wusste, wer tatsächlich nach Celines Leben trachtete, nutzte er seinen Geruchssinn plötzlich nicht, um diesen Widersacher aufzuspüren. Das hat für mich einfach keinen Sinn ergeben.Trotzdem gab es auch Dinge, die mir gefallen haben. Der Schreibstil war okay und die Geschichte ließ sich schnell weglesen. Spannend fand ich außerdem, dass Figuren ums Leben kamen, mit denen ich so nicht gerechnet hatte. Dort lag für mich auf jeden Fall Potential für eine spannende Handlung und ich hätte mir gewünscht, dass solche Aspekte öfter zum Tragen gekommen wären.Manche Passagen waren auch ganz witzig, aber insgesamt war der Humor einfach nicht meiner. Ein Beispiel, das ich einfach nicht lustig fand, ist "Vampirzahnständer", weil Zaviers Zähne bei Erregung ausklappten. Das war mir einfach zu trashy.Alles in allem war der Roman leider eher ein Flop für mich. Ich habe tatsächlich ein paar Mal überlegt, das Buch abzubrechen, aber dadurch, dass es sich schnell weglesen ließ, habe ich es dann doch beendet. Das Gefühl verbleibt, dass hier so viel mehr hätte herausholt werden können. Schade!