Bruderherz von Michael Robotham, erschienen bei Goldmann und übersetzt von Kristiane Lutze, hat mich sowohl vom Klappentext als auch vom Cover her magisch angezogen.
Eines möchte ich vorab sagen: Dieses Buch ist kein Thriller, auch wenn es unter diesem Genre vermarktet wird. Ich persönlich finde das sehr schade, denn damit gehen vielleicht viele Leserinnen und Leser mit der falschen Erwartung an diese Lektüre. Jedoch handelt es sich bei Bruderherz eher um ein Familiendrama und einen Spannungsroman als um einen Thriller. Trotzdem hat mich die gefühlvolle, bewegende und dramatische Geschichte tief berührt. Meisterlich erzählt der Autor die Geschichte zweier ungleicher Brüder, eines grauenhaften Verbrechens und der Suche nach der Wahrheit.
Arlo Hackett, einer der Brüder, aus dessen Sicht der gesamte Roman erzählt wird, ist ein Held mit Fehlern, Ecken und Kanten, und nicht jede seiner Entscheidungen ist richtig. Doch trotzdem folgte ich ihm gebannt durch die Geschichte rund um Schuld, Sühne und die Suche nach Wahrheit. Schon mit der Eröffnungsszene zog mich Michael Robotham bildgewaltig in dieses Epos, das in einer bigotten australischen Kleinstadt angesiedelt ist. Einmal in den Bann der Geschichte gezogen, konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Geschickt wechselt der Autor zwischen den beiden Zeitebenen und so erfahre ich neben den aktuellen Ereignissen auch nach und nach, was damals vor zwölf Jahren Schicksalhaftes passiert ist.
Michael Robotham zeichnet dabei ein so dichtes Geflecht an menschlichen Gefühlen und Geheimnissen, dass ich Arlo, seiner Mutter, seinen Bruder Luke und all den anderen Protagonisten folgte und gebannt jedes Wort in mich aufsog. Ja, dieses Buch ist kein Thriller, doch es fesselte mich von der ersten Seite an. Atmosphärisch dicht, mit tief ausgearbeiteten Charakteren und einem sehr gut angelegten Spannungsbogen baut der Autor viele Wendungen ein, lässt mich mitfiebern und macht mich auch oft wütend auf die Engstirnigkeit der Kleinstadt Yulara.
Dieses Buch war eine ganz besondere Lektüre, die mich komplett fesselte und überzeugte. Auch wenn ich keinen Thriller bekam, war es ein 5-Sterne-Lesevergnügen der Superlative.