Von wegen Monster. Dieses arme Tier ist einfach nur total traumatisiert. Ich kann das gut nach-empfinden, denn genauso habe ich mich selbst vor einigen Jahren gefühlt.
**** Mein Eindruck ****
Dieses Buch hat mich zutiefst bewegt. Es ist schockierend, schmerzhaft und gleichzeitig voller Herz. Beim Lesen habe ich vieles aus meinem eigenen Leben gespiegelt gesehen und dadurch noch intensiver gefühlt. Falko wurde für mich zu einem Helden, der auch in mir kleine Momente der Heilung ausgelöst hat.
Was Falko durchmachen musste, lässt mich oft sprachlos zurück. Schon die ersten Seiten sind erschütternd. Wie das Jugendamt handelt und welche Worte im Heim fallen, ist kaum zu ertragen und doch glaubwürdig genug, um das Herz stellvertretend mit zerbrechen zu lassen. Zu beobachten, wie es Falko dort ergeht und wie sich seine Erfahrungen aus dem Elternhaus in seinem Verhalten widerspiegeln, war besonders eindringlich zu lesen. Ehrlich, emotional und erschreckend real.
Auch die weiteren Stationen seines Lebens hätten mich vermutlich genauso verwirrt, verletzt und an allem zweifeln lassen. Umso beeindruckender finde ich, an welchem Punkt Falko am Ende seiner Reise steht. Dieses Buch beschönigt nichts. Es romantisiert keine Gewalt und feiert kein Drama. Es zeigt einfach, was ist, und lässt die Lesenden fühlen. Dabei bleibt Raum, selbst zu entscheiden, wie tief man sich auf die Geschichte einlässt und welche Bilder beim Lesen entstehen.
Während der Lektüre habe ich viel Wut gespürt. Wut auf einzelne Menschen, auf Systeme, auf Strukturen, die versagen. Es gibt Szenen, bei denen einem die Worte fehlen. Ich kann mir gut vorstellen, dass nicht jeder in der Lage ist, solche Momente zu lesen. Gleichzeitig darf man nicht vergessen, dass diese Erfahrungen jemandem wirklich widerfahren sind und vermutlich kein Einzelfall darstellen. Für mich hätte es sich falsch angefühlt wegzuschauen. So schwer es auch sein mag hinzusehen.
Das Buch stößt viele innere Konflikte an und überschreitet emotionale Grenzen. Schonend ist diese Geschichte nicht und genau so soll es auch sein. Realität ist selten schonend. Es ist eine Reise durch ein Leben, ein Weg in Richtung Heilung doch davor steht der große Schmerz.
Besonders berührt hat mich Falkos Verbindung zu Hunden. Seine Liebe zu diesen Tieren macht ihn für mich zu einem ganz besonderen Helden. Unschuldige Wesen verdienen Schutz und Verständnis. Missverstanden zu werden ist schon schlimm genug, doch nachzutreten ist der eigentliche Fehler.
Ein sehr wertvoller Aspekt der Geschichte ist die lange Zeitspanne, die sie umfasst. Wir begleiten Falko von seiner Kindheit bis in die Gegenwart, über mehrere Jahrzehnte hinweg. Dadurch bekommt seine Entwicklung eine Tiefe, die weit über einen kurzen Lebensabschnitt hinausgeht.
Ich bin der Autorin sehr dankbar, dass sie Falkos Geschichte eine Stimme gegeben hat.
**** Empfehlung ****
Ein eindringliches Buch über Trauma, Überleben und Heilung. Besonders für Leser*innen, die sich mit schweren Lebensgeschichten auseinandersetzen möchten, selbst ähnliche Erfahrungen kennen oder besser verstehen wollen, was hinter solchen Schicksalen stehen kann. Falkos Geschichte ist eine Stimme, die gehört werden sollte.