Ich mochte es super gerne, weil es zum Ende hin echt alles nochmal umschmeißt.
Schreibstil:Ich liebs ja, wenn ich durch eine komplett fremde und einzigartige Welt geführt werde, ohne dass ich auch nur einmal denke: hä, was/wo/wie? Genau so war es hier: Die Geschichte war durchweg flüssig zu lesen, weil sie gut beschrieben war, die Szenen und Figuren ihren Platz bekamen und alles in sich logisch war. Dadurch konnte ich mich einfach fallen lassen und genießen.Die Geschichte - In Band 2 steht eine weitere Bedrohung vor der TürDas schöne an Band 1 war, dass es einen Abschluss gab, auch wenn dieser alles andere als aufgeräumt war. So blieben genug Fragen, aber auch genug zu tun, denn wenn du in den Trümmern stehst, musst du wieder aufräumen. Ob du nun in der Stimmung dazu bist oder nicht. Und genauso war es hier: Sowohl Rain als auch Lark und alle anderen müssen sich irgendwie in dem zurechtfinden, was noch übrig geblieben ist und dürfen sich trotzdem nicht einfach ausruhen.Mir hat auch wieder gefallen, dass es verschiedene Perspektiven gab. Nicht nur Lark und Rain erzählen hier, sondern auch ein Unbekannter an der Grenze sowie eine Rebellin. Damit kommen nicht nur unterschiedliche Perspektiven auf die Welt hier rein und wir erfahren mehr über die Hauptfiguren und deren Leben, sondern die Spannung trägt sich auch außerhalb ihres Wirkungskreises hinaus.Rain - Die Prinzessin, die auch in den Trümmern nicht aufgibtRain fand ich in diesem Band tatsächlich etwas weniger spektakulär als in Band 1. Sie ist anfangs nahezu depressiv und dadurch wenig an den Geschehnissen in ihrer Welt interessiert. Dadurch passiert innerhalb ihrer POV auch wenig.Zum Glück berappelt sie sich aber irgendwann wieder und zeigt, was in ihr steckt. Und das ist eine sehr mutige Protagonistin, die ihre Herkunft auf jeden Fall verinnerlicht hat, aber irgendwo auch etwas orientierungslos durch die Welt schweift. In diesem Band ist sie vor allem deshalb so deprimiert, weil ihr alles genommen wurde. Inklusive ihrer eigenen Identität. Stattdessen stehen da jetzt andere auf der Matte, die ihr sagen wollen, wie sie zu sein hat, dabei hat Rain selbst bereits erkannt, dass diese anderen es nicht gut mir ihr meinen.Ich mochte an ihr nach wie vor, dass sie sehr unerschütterlich in ihrer Einstellung ist, vieles sehr überlegt angeht und durchaus auch die Konsequenzen bedenkt. Gleichzeitig konnte ich ihre Zurückhaltung verstehen und fand es gut, wie sie sich bei vielem von ihrem Bauchgefühl hat leiten lassen.Ihre Familie, ihre Freunde und letztlich ganz Hope stehen für sie immer an erster Stelle und das merkt man sehr deutlich. Da gibt es keine Zweifel, keine Verirrungen, nur Verständnis für alle, die in dieser Welt leben und töten und doch ist sie am Ende immer mutig genug, um zu tun, was getan werden muss. Ein wenig, wie man sich eine Königin vorstellt. Ob sie das am Ende wirklich wird, müsst ihr selbst lesen.Lark - Zwischen Schuldgefühlen, Hoffnung und neuen MöglichkeitenGenau wie für Rain gibt es für Lark nur seine Liebsten. Und so ist das auch die größte Motivation in diesem Band. Nachdem er nun im Rollstuhl sitzt, ist alles andere nämlich alles andere als greifbar. Dennoch wird er in alle Richtungen in Versuchung geführt.Ich mochte an ihm, genauso wie zuvor schon, dass er sich selbst sehr treu ist und immer versucht, einen Ausweg zu finden. Auch, wenn das zu seinem Nachteil ist. Gleichzeitig ist er aber auch sehr neugierig. Er denkt nicht in Grenzen, wie Rain manchmal, die sich vielleicht etwas zu sehr an den Hof gewöhnt hat. Lark denkt in Lösungen, auch wenn es ihm durch seine Schuldgefühle nicht leicht fällt.Durch seine Neugierde tut sich in diesem Band auch ein Handlungsstrang auf, der komplett neu ist und die Handlung wesentlich beeinflusst. Ich war selten so hin und her gerissen im Hinblick auf eine Figur. Macht er es jetzt, weil er wirklich schwach ist oder ist er umso stärker? Das ist die Frage, die mich ziemlich lange über die Geschichte hinweg beschäftigt hat. Aber genau diese machte die Geschichte so gut. Denn wenn ich nicht weiß, was die genauen Motive der Figuren sind, dann bleiben sie für mich ein Stück weit undurchschaubar und dadurch wird es spannend.Die Liebesgeschichte - Muss Liebe eigentlich immer nach Romance aussehen?Ein ganz klein wenig fand ich es nervig, dass er Rain so wenig in sein Leben eingebunden hat, allerdings war das bei ihr nicht anders. Rain und Lark - tja, das ist so eine Sache. Nach Band 1 wisst ihr bestimmt, dass das heißglimmende Feuer der Leidenschaft hier nicht unbedingt hoch züngelt. Was auch völlig okay ist. Ich brauche nicht in jedem Buch Spice und eine Geschichte wie diese, in der die Figuren ihre Liebe durch ganz andere Gesten und Handlungen zeigen, ist für mich ganz genauso gut und mitreißend. Immer noch war mir hier aber oft nicht klar, ob da nun etwas zwischen den beiden ist oder nicht. Es wurde lange so freundschaftlich gehalten, dass ich mich manchmal gefragt habe, ob ich da aus Gewohnheit etwas erzwingen will.Liebe zeigt sich nicht nur in Leidenschaft und romantischen Gesten, sondern auch in Aufopferungsbereitschaft, Selbstlosigkeit und ständiges Denken an die andere Person. Ein wenig ist es auch hier so. Da musste ich mich nur echt erstmal dran gewöhnen und es dann schlicht akzeptieren. Aber ganz ganz ganz vielleicht hätte ich es toll gefunden, wenn es zumindest zwischendurch mal einen kleinen Seufzer-Moment gegeben hätte.Die Nebenfiguren - Rebellen, Gesegnete und Menschen, die ihren eigenen Weg suchenSpannend war in diesem Buch auch, dass es einige Perspektivwechsel und Einblicke in andere Figuren gab. So war da zum Beispiel Wren, die Rebellin, die eine tragische Geschichte hinter sich hat. Oder Caspian (oh, hieß er so?), der zunächst einfach nur mit Rain verkuppelt werden soll, dann aber ziemlich viele Facetten zeigt.Ich fand es unheimlich gut gemacht, wie viel Charakter hier auch die Nebenfiguren bekamen und wie sehr ich sie ins Herz schließen konnte. Und das, obwohl sie keinesfalls frei von Fehlern sind. In diesem Band hat wohl jeder mal seinen Moment, in dem nicht alles so läuft, wie es eigentlich sollte. In dem er/sie sich outen und zu seinen Taten stehen muss. Und trotzdem konnte ich alles nachvollziehen und hätte es größtenteils genauso gemacht.Kein Wunder also, dass sie alle Teil von Larks und Rains Wirkungskreis sind, die so viel Liebe zu geben haben. Hier liest man echt von einer Gemeinschaft und das hat mir sehr gefallen.Hope, das Land, in dem die Gesegneten regierenSchon in Band 1 fand ich die erfundene Welt total interessant und gut gemacht. Und hier geht es nahtlos weiter bergauf. Immer mehr Details werden offen gelegt, Strukturen kenntlich gemacht, anderes in Frage gestellt und schließlich auch Kritik geübt. Und das aus allen Reihen. Dadurch wurde die ganze Welt für mich noch fassbarer und ich war sehr fasziniert davon, wie hier Revolution und Krieg, Familienfehde und eigene Interessen ein stimmiges Gesamtbild ergaben.Außerdem fand ich es super klug gelöst, wie die dritte Partei eingearbeitet und dann im Handlungsverlauf tragend wurde. Ich hätte niemals gedacht, dass das Buch so enden würde, wie es das tut. Niemals. Und das, weil Band 1 da echt noch gar nichts durchblicken lässt. Statt sich wild was aus den Fingern zu saugen, hat die Autorin einfach noch einen Aspekt hinzugefügt, der letztlich ziemlich tiefgreifend und stark war. Auch, wenn mir das Ende mein Innerstes zerrissen hat. Aber irgendwie passte gerade das auch super gut zu der restlichen Handlung: für Rain und Lark ist schließlich nie irgendwas leicht gewesen. I mean, diese rosa Bubble, die jedes Pärchen irgendwann in Büchern hat, die gab es hier gar nicht. Und das aus gutem Grund.Also: Sehr logisch bis zum Ende zusammengefügt, toller Showdown und ein Ende, dass eine Zukunftsperspektive möglich macht.Fazit:Ich mochte diesen zweiten Band total gerne. Es geht nahtlos weiter, aber gleichzeitig kommt noch viel Neues hinzu. Dadurch war ich durchweg komplett gebannt, auch wenn die Liebesgeschichte mich etwas hat hängen lassen. Aber hey, dieses Buch hat so viel mehr zu bieten und zeigt so viel Tiefe in den Charakteren, auch den Nebenfiguren, dass ich das gar nicht als negativ empfunden habe. Und das Ende? Ein absoluter Showdown. Niemals hätte ich das erwartet. Ich kann es nur empfehlen.5 von 5 Sterne von mir.