Das Hörbuch Das gierige Haus von Christina Henry hat mich richtig gepackt und gehört für mich zu den stärksten Werken der Autorin. Da Christina Henry mich schon mit Albtraum im Nimmerland, Die Chroniken von Rotkäppchen und Der Knochenwald begeistern konnte, war ich sehr gespannt auf das neue Hörbuch. Und auch dieses Mal konnte die Autorin mich wieder überzeugen.
Ein Haus, in dem früher sieben Menschen gestorben sind. Ein Haus, in dem wieder ein Junge verschwindet. Und ein Haus, dessen Hunger einfach nicht gestillt werden kann. Das klingt nach ordentlich Gänsehaut und genau das liefert die Geschichte auch. In diesem Werk begleitet der Hörer die 13-jährige Jessie, die ihren kleinen Bruder Paul zu einer Mutprobe herausfordert. Paul betritt das Horrorhaus und kommt nie wieder raus.
Die Grundidee ist richtig stark. Ein unheimliches Haus mit düsterer Vergangenheit, das nach Blut verlangt, und eine junge Frau, die von Schuldgefühlen zerfressen ist und sich dem Haus schließlich stellt. Besonders der Einstieg konnte mich sofort fesseln. Pauls Verschwinden ist intensiv, beklemmend und erzeugt genau die Gänsehaut, die man sich von einem solchen Setting erhofft. Die Geschichte entfaltet sich, wie man es von Christina Henry kennt, düster und voller Blut.
Im weiteren Verlauf erstreckt sich die Geschichte über viele Jahre hinweg und begleitet Jessie bis ins Erwachsenenalter. Der Fokus liegt auf Jessies Leben und ihrer inneren Zerrissenheit. Jeder Aspekt ihres Lebens wurde durch Pauls Verschwinden beeinflusst. Das Haus bleibt dabei aber immer das zentrale, unheimliche Element, das immer wieder für beklemmende Momente sorgt. Durch Rückblicke und den stetigen Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart wird deutlich, wie sich das Grauen über die Jahre hinweg ausbreitet. Die düstere Atmosphäre ist, wie man es von Christina Henry kennt, hervorragend umgesetzt. Ein besonderes Lob geht an Josefine Hoffmann, die der Geschichte mit ihrer Stimme viel Leben einhaucht und die ohnehin dichte Atmosphäre zusätzlich verstärkt.
Ein kleiner Kritikpunkt ist für mich Jessies Charakterentwicklung. Trotz des langen Zeitraums hatte ich oft das Gefühl, dass sie sich emotional kaum weiterentwickelt hat und in vielen Momenten eher wie ein Teenager wirkt, auch wenn ihre Rolle als Mutter durchaus glaubwürdig dargestellt wird.
Das gierige Haus ist ein atmosphärisch starkes Hörbuch mit einer spannenden Grundidee und einigen gelungenen Gruselmomenten. Statt auf Dauerschrecken setzt die Geschichte auf unterschwellige Spannung und eine beklemmende Stimmung, die sich langsam entfaltet. Von mir gibt es 4 Sterne und eine klare Hörempfehlung.