Weit von spaßig entfernt ¿ 2,5 ¿
In "The Love-Life-List: (Un)Wahrheiten über das Leben und die Liebe" geleitet uns Kira Mohn nicht nur zurück in den gemütlichen Buchladen ,Unicorns, Starships & Bugs' und in die bereits aus "Note to myself: Liebe ist keine Option" bekannte Clique, sondern wirft uns in einen Strudel von Unsicherheiten und existenziellen Fragen ...Ihr Weg zur Selbstfindung führt Rose Turner weg von Zuhause, weg von ihren Eltern, ihrem gebrochenen Herzen und raus aus dem Schatten ihrer Schwester. Statt in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten und als Medizinstudentin Karriere zu machen, lektoriert die junge Frau in einer kleinen Wohnung inmitten der Freiheit New Yorks Bücher. Eine Tätigkeit, die Rose zufrieden, aber nicht glücklich macht. Als Freundin Zara ihr einen Minijob in deren Kinderbuchhandlung anbietet, stimmt die Katzenmom sofort zu. Hier trifft sie auf Zane Brooks, den neuen - unwillkommenen - Nachbarn des ,Unicorns, Starships & Bugs'. Denn seine, durchaus wunderschöne, Selbstständigkeit vergrault Zara und Tobey die KundInnen ... Rose und Zane jedoch, die kommen sich schnell näher und gemeinsam versuchen die beiden, den Konflikt - Tattoos vs. Kinderbücher - und die Vorurteile der Kundschaft zu beseitigen. Und nebenbei schafft es Zane auch auf ganz andere Weise zu Rose durchzudringen ...Durch den attraktiven und aufmerksamen Tattoo-Artist wird Rose immer häufiger zum Hinterfragen animiert - ihrer Entscheidungen, die vielleicht mehr Rebellion und Wut waren als selbstbestimmt, ihrer Komplexe, sobald es um die perfekte Halley geht, der stillen Unzufriedenheit, die aufkommt, wenn sie den Blick auf ihre nebulöse Zukunft richtet. Wer will sie sein, wohin will sie gehen und wer ist sie jetzt?Zuerst: Jedes Kapitel wird von einer Aussage, einer Lebens-Liebe-Regel, eingeleitet, die echt schön war. Mohn lässt uns das Geschehen aus Roses Perspektive verfolgen, sodass wir einen guten Einblick in deren Leben und Gedanken bekommen, ihre Reaktionen und Zweifel nachvollziehen können und Gründe finden, sie schütteln zu wollen. Denn die teeliebende Lektorin ist festgefahren - hauptsächlich darin, ihre Schwester auf ein Podest- und ihre Träume hinten anzustellen, sich mit anderen zu vergleichen, während ihre Meinung von sich selbst nicht die beste ist. Dabei konnte ich - als unsicherer und wenig Selbstliebe erübrigender Mensch - ihre verschiedenen Zwiespälte, ihre von Minderwertigkeitsgefühlen ausgelöste Impulsivität verstehen. Ihre Suche nach Identität und einem Platz, jemanden, der die echte Rose, ungefiltert, sieht. Ihren Drang, sich zu beweisen, unabhängig zu sein.Zugegeben, es gab hier einiges, das ich entweder total lasch inszeniert oder aber absolut drüber fand - bspw. die ausbleibende Kundschaft eines Geschäfts für Kinderbücher, weil nebenan ein Tattoo-Laden eröffnet? Really? Die Klischees, in denen die KünstlerInnen und KundInnen angeblich gesehen werden, waren weit entfernt von zeitgemäß und dass "The Love-Life-List" in einer bunten Metropole spielt, trägt hierbei auch nicht zur Authentizität bei. Ebenfalls fehlte mir die "romantische Komödie" - die Geschichte glänzt weder mit skurrilen Szenen noch mit Witz oder humorvollen Schlagabtauschen. Obwohl ich die (neueren) Bücher der Autorin prinzipiell mag, wirkte das Gelesene dieses Mal unpassend distanziert und kühl. Statt mittendrin zu sein, hatte ich den Eindruck, die knapp bemessene Storyline, mehr nüchterne Erzählung als warmherzige Romance, von obendrauf zu verfolgen.Dass die Drama-Komponente auf den letzten 100 Seiten zunimmt, sich durch Lügen und unerfreuliche Überraschungen, fehlende Kommunikation und Offenheit sowie divenhaftes (und echt undankbares) Verhalten - Letzteres zumindest nicht seitens der Protagonistin - zuspitzt, gab der bis dato gemächlichen Handlung zwar einen Bruch, traf bei mir aber nicht den richtigen Nerv, außer dieser sollte Augenrollen verursachen. Zane bleibt ein blasser Good Guy, der lediglich als Rose' emotionaler Support, als ihr Halt, fungiert. Er ist perfekt und wurde nahezu glatt gezeichnet. Seine durchweg fürsorglichen und verständnisvollen Antworten hinterließen eher einen konstruierten Beigeschmack. Mehr Facetten des Tätowierers und ernstzunehmende Diskussionen hätten der zwischenmenschlichen - insgesamt seichten - Beziehung, die von Anfang an komplikationslos, leider ohne ein wirkliches Kennenlernen und eine stimmige Entwicklung verlief, nicht geschadet. Zara erweist sich hingegen als tolle Freundin und einen tierischen Sidekick samt der Liebe zum geschriebenen Wort und der visuellen Kunst gibt's obendrauf.