Spice, Humor, tolle Figuren. Dieses Buch macht einfach Spaß!
Zur Info: Dies ist der erste Band einer Reihe. Es gibt am Ende einen Cliffhänger.Schreibstil:Über 800 Seiten und ich bin nur so durch die Seiten geflogen. Ich mochte den Humor der Autorin und der Figuren unglaublich gerne und habe mich sehr unterhalten gefühlt. Die Charaktere sind gut fassbar, die Welt ausreichend beschrieben und ich hatte nie das Gefühl, es sei zu viel oder zu wenig erklärt. Einfach rundum sehr angenehm zu lesen.Die Geschichte - Flucht in die AkademieErzählt wird diese Geschichte aus der Perspektive von Summer, der Hauptprotagonistin, wobei sie immer wieder von anderen Figuren abgelöst wird. Diese sind teilweise unbekannt und mehr als geheimnisvoll. Ihr könnt euch denken, wie das für Spannung sorgt. Wer ist das? Was meint er damit? Warum kann er sie auf dem Schulgelände beobachten?Ich fand diese Abwechslung in der eigentlichen POV von Summer sehr gut gemacht und auch relevant für die Erzählung.Was ich auch interessant fand, war, dass es so gut wie keine Zeitsprünge zwischen den Kapiteln gibt. Hier wird wirklich ein Tag nach dem anderen erzählt, weshalb das Buch vielleicht auch so lang ist. Ich wusste jeden Tag, was sie gefrühstückt hat, wo und wie sie geschlafen hat, was für Unterricht sie hatte und wie ihr Training war. Klingt erstmal furchtbar langweilig, war es aber in Summers Fall nicht, denn all diese Stationen gehören zum Leben an der Akademie und genau dort findet die Handlung statt und die Figuren interagieren miteinander. So war es nicht so langweilig wie gedacht, sondern einfach etwas ausführlicher als gewohnt.Enemies to Lovers - ein Buch in einem Buch?Anfangs lässt die ganze magische Handlung etwas auf sich warten. Klar, im Unterricht geht es um Wesen, Magie und Runen und Summer hat definitiv ein magisches Geheimnis, aber eigentlich beschäftigt sie sich erstmal mit den ganz normalen Themen: Ankommen, Freunde finden, Unterricht absolvieren, Sport machen. Dazwischen treten dann all die Figuren in Erscheinung, die für mich sehr wesentlich an der Geschichte beteiligt waren. Zunächst der Love Interest Conner, ein Engel, den ich sofort unheimlich spannend fand. Ein Good Guy mit dem nötigen Biss. Also kein klischeehafter Bad Boy, der sich beweisen will, sondern ein Kerl, der sich nicht beweisen muss. Jedenfalls nicht innerhalb seiner Liebsten. Was Summer angeht, ist alles anders. Die beiden spielen ein regelrechtes Katz-und-Maus-Spiel miteinander, dass mir sehr gefallen hat. Ein Viertel des Buches war quasi eine funkensprühende Enemies-to-Lovers-Liebesgeschichte, die dann einfach nicht mit dem "Ich liebe dich"- zu Ende geht.Summer und ihre Bindungsprobleme - ein nervenzehrendes Thema?Summer ist eine Protagonistin, die ich anfangs schnell sympathisch fand, die es mir dann aber nicht immer ganz leicht gemacht hat. Allerdings nicht, weil sie schlecht geschrieben war, sondern weil man mit ihr echt Geduld brauchte. Und ganz ehrlich: Geduld lernt man in den heutigen Lovestories nicht. Denn Summer hat Bindungsängste und einige Traumata, die sie durch die Geschichte begleiten. Und da das Buch Zeit hat, nimmt es all diese Problematiken in aller Ausführlichkeit auf. Den oder die ein oder andere/n wird das vielleicht abschrecken, denn natürlich läuft eine solche Bewältigung und Entwicklung nicht innerhalb weniger Seiten ab. Was ich gut daran fand: Für mich war es nachvollziehbar. Summer hat mehr und mehr gelernt, sich zu erklären, Vertrauen zu fassen und ihre Fortschritte auch mit uns Leser:innen geteilt. Dadurch konnte ich auch ein paar Schritte zurück verkraften. Dazu kam, dass ihr Weg zum Glück kontinuierlich geradeaus führt und Conner und alle anderen Figuren aktiv an allem beteiligt sind. Dadurch wirkte es sehr gut eingebunden.Teilweise gab es aber auch Stellen, an denen Summer für mich manchmal unnötig wütend wurde und wegrannte. Ein paar Mal kann ich das verkraften, irgendwann war es aber ein wenig zu viel. Gerade für Leser:innen, die gar keine Geduld haben, werden gerade diese Stellen sehr schwierig sein. Ich war zum Glück irgendwann so gefangen von der Geschichte, dass ich einfach weitergelesen habe.Spice Level? Hoch!Viele Seiten bedeuten viel Spice, das kann ich schonmal sagen. Manchmal fand ich es ein wenig zu viel, weil es mich in dem Moment nicht in der Handlung weiterbrachte, aber im Großen und Ganzen war es einfach eine spicy Liebesgeschichte, die viele solcher Szenen bietet, weil sie viele Seiten hat. Es war zum Glück nicht so, dass der Spice die Handlung verschlungen hat und deshalb: alles gut, aber Summer, du hast Glück, dass du mit Conner einen so ausdauernden Typen gefunden hast.Interessant war an dem Spice, das, was Summer nebenbei gedacht hat. Ich fand es regelrecht spannend, mit ihr zusammen herauszufinden, was sie braucht und ob Conner ihr das geben kann. Ich will hier jetzt nicht zu viel verraten, aber die Gedanken an sich, die sie sich dazu gemacht hat, fand ich gut und konnte sie nachvollziehen. Und on top: Sie geht dann nicht einfach den einfachen Weg. Ebenfalls gut gemacht.Ein Fremder, ein Mörder, ein Direktor - hier gibt es mehrere VariablenSpannung kommt in die Geschichte auch durch die mächtigen Figuren, die sich im Hintergrund halten. Ein mysteriöser Fremder vernebelt Summer den Kopf und lässt sie immer wieder alles hinterfragen und bestärkt sie gleichzeitig. Es ist eine sehr interessante Beziehung zwischen den beiden und ich habe mich immerzu gefragt, wo sie wohl hinführen wird. Ohne zu spoilern kann ich sagen, dass diese Beziehung nicht nur Spannung auf Liebesebene reinbringt, sondern Summer auch hinsichtlich ihrer Herkunft und ihrer eigenen Kräfte herausfordert. Ich fand es gut, dass sie so quasi nochmal aus einer anderen Perspektive "begutachtet" wurde.Der Direktor bringt ebenfalls eine andere Perspektive auf Summer. Ich konnte ihn überhaupt nicht einschätzen, aber ich fand es spannend, wie er das Rätsel der Handlung mit bestärkte und quasi als Detektiv verstärkte. Die Stärke dieser Geschichte ist wirklich, dass die Figuren, die nicht in Summers direktem Umfeld sind, mehr als undurchsichtig bleiben. Ihre Motive sind verschwommen und ich konnte selbst viel miträtseln.Der dritte im Bunde ist ein Unbekannter. Vielleicht ein Mörder. Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht gibt es auch noch mehr. Das müsst ihr schon selbst herausfinden. Was ich sagen kann ist, dass ich den bedrohlichen Charakter dahinter sehr spannend fand und die Geschichte durch ihn viel Action bekam.Denn dort wo Summer mit ihrem Liebesleben beschäftigt ist, sterben andere und die Frage steht im Raum: Wer ist dafür verantwortlich? Die Bedrohung kommt dabei immer näher und hat mich oft zwiespältig nochmal alle Figuren wieder angucken lassen. Die Variablen in diesem Buch sind quasi unendlich, sodass ich nicht wirklich in die Zukunft gucken konnte. Für ein Buch, das noch einen Anschlussband hat, fand ich das super.Eine negative Sache dazu gibt es aber auch, denn ich hatte leider im Laufe der Handlung immer wieder das Gefühl, dass dieser Handlungsstrang geradezu in Vergessenheit geriet. Summer war so mit sich selbst beschäftigt, dass weder ihre Herkunft noch die bedrohlichen Ereignisse stets im Raum standen. Dabei hätte ich das durchaus nachvollziehbar gefunden und irgendwo auch erwartet. Schließlich steht die Zeit ja selten still.Alice und die Engelsgeschwister - eine Clique zum VerliebenWas ich sehr positiv hervorheben muss, ist die Ausgestaltung der Nebenfiguren. Alice war super gut fassbar und auch sehr präsent. Manchmal vergessen die Figuren in ihrer Liebe ja ihre besten Freunde. Das war hier überhaupt nicht der Fall, stattdessen wurde Alice fest in alles eingebunden. Mit ihr entstehen die lustigsten Situationen und auch Summers Entwicklung ist wesentlich von ihr mitgeprägt.Ebenso sind Conners Geschwister ein wesentlicher Teil der Geschichte. Ich mochte sie alle sehr gerne und fand es gut, wie durch sie immer wieder gezeigt wurde, wie Conners Charakter sich zusammensetzt.Das Ende - der Beginn von etwas NeuemWar ich vorher etwas enttäuscht, dass die unbekannten Einflüsse auf die Handlung etwas in Vergessenheit gerieten, kam am Ende auf einmal alles wieder zusammen und überfrachtete mich geradezu. Ich bin immer noch nicht ganz sicher, ob ich es nicht viel besser gefunden hätte, wenn vorher schonmal etwas mehr beleuchtet und offengelegt worden wäre, sodass das Ende nicht vielleicht sogar ein Abschluss gewesen wäre. Aber anscheinend hat die Autorin ja noch einiges in petto, wenn nochmal so ein langes Buch folgt.Wenn man mal alles vorher außer Acht lässt, dann ist das Ende der perfekte Showdown. Die Handlungsstränge kommen zusammen, Summer muss sich entscheiden, wir als Leser:innen erfahren etwas, was man sich vorher nur vage denken konnte und ein Cliffhänger ließ mich staunend zurück. Alles in allem war alles da.Fazit:Ich war erstaunt, wie schnell ich durch diese über 800 Seiten geflogen bin. Die Geschichte ist voller Funken und Spice, Humor und charaktervollen Figuren und hat mich damit wirklich gut unterhalten. Gleichzeitig stellt sie einen stellenweise ordentlich auf die Geduldsprobe. Summer braucht Zeit, die Handlung nimmt sich Zeit und auch die vielen Geheimnisse werden nicht gerade schnell aufgelöst.Für mich hat das trotzdem funktioniert, weil die Akademie und ihre Figuren so viel Leben in die Geschichte bringen. Gerade die Nebenfiguren mochte ich unglaublich gerne und auch die Entwicklung von Summer fand ich trotz einiger nervenzehrender Momente gut umgesetzt.Was mir etwas gefehlt hat, war ein konstanterer Fokus auf den mysteriösen Handlungsstrang. Teilweise hatte ich das Gefühl, dass dieser hinter Summers persönlicher Entwicklung und ihrer Beziehung zu Conner etwas verschwindet. Dafür kommt am Ende wirklich alles zusammen - vielleicht sogar ein bisschen zu viel auf einmal.Alles in allem ein sehr unterhaltsamer Academy-Roman mit viel Spice, Humor, Geheimnissen und einem Cliffhanger, der definitiv neugierig auf Band 2 macht.4 von 5 Sterne von mir.