Der zweite Band der LA Vipers-Reihe hat mich leider nicht so mitgerissen, gerade bei dem wichtigen Thema mentale Gesundheit.
Nachdem ich bei der Reihe von Alicia Sommer erst sehr spät aufgesprungen bin, habe ich den zweiten Band, "Falling For NO. 89", sehr schnell nachgezogen und habe mich wieder an das Hörbuch gegeben. Da kann ich sagen, dass mir die weibliche Stimme, Anna Döing, nicht zugesagt hat. Auch wenn ich Protagonistin Shaila als zart wahrgenommen hat, aber ich fand, dass die Stimme das zu übertrieben aufgefangen hat. Ich konnte mich in dem Hörbuch auf jeden Fall nicht verlieren und glaube auch, dass die Stimme zusätzlich einen Beitrag zu dem geleistet hat, was ich dann inhaltlich kritisieren würde.Mir hatte an dem ersten Band so gut gefallen, dass Sommer sich im Bereich der Sports Romance mit Randthemen beschäftigt, indem in Band 1 die Protagonistin es als Coach schaffen will oder wie hier in Band 2, dass mit Kayce das Thema mentale Gesundheit im Profisport aufgegriffen wird. Das lasse ich auch hier gerne als fetten Bonus stehen, denn Kayces Situation ist mit allen Ausflüchten, mit allen Rückschlägen und auch mit den Hochs überzeugend dargestellt worden. Da gerade die olympischen Spiele wieder mal über die Bühne gegangen sind, wo dieses Thema auch immer wieder sehr präsent ist, fand ich es sehr passend und anschlussfähig und habe deswegen auch gedacht, dass es sehr realistisch rüberkam. Wie Kayce sich fühlt, wie andere darauf reagieren und was die Konsequenzen daraus sind.Aber Kayces Geschichte hat nichts daran geändert, dass ich ihn als Figur leider nicht wirklich mochte. Damit hatte ich vorab nicht gerechnet, da er in Band 1 schließlich auch schon eine Rolle spielte und ich ihn dort als sehr offen und unterstützend für seine Teamkameraden empfunden habe. Das Buch nun durch seine Perspektive zu verfolgen hat, hat zwangsweise mehr Profil möglich gemacht, aber es waren mir zu viele Ecken und Kanten, vor allem dann auch rückblickend, wenn ich am Ende weiß, was ihn aus seiner Heimatstadt Ojai vertrieben hat, dann ist das Bild für mich einfach nicht rund. Es ist für mich einfach unlogisch, dass über die ganzen Jahre nach seiner Flucht da nie Begegnungen erzwungen wurde. Für mich wirkt der Grund, warum Shaila über ihren Schatten springt und für die LA Vipers spielt, total konstruiert und unrealistisch. Und wenn man die Auflösung kennt, dann verhält er sich oft genug wie ein kompletter Idiot, gerade im Hinblick darauf, dass wir in Rückblenden einen sehr empathischen Kayce erleben, der Shaila immer besser als alle anderen verstanden hat. Davon ist in der Gegenwart nicht viel übrig und gerade weil Sheila sehr schüchtern und unerfahren ist, wirkt es sehr hart, wie er manchmal denkt und agiert.Das war dann auch die Diskrepanz, wo die gewählte Stimme für Shaila, besonders auffiel, denn sie klang immer so hilflos, obwohl die Figur durchaus ihren Weg finden wollte. Aber die Stimme hat mein Empfinden zu ihr sehr stark beeinflusst. Dennoch hatte ich den Blick offen dafür, dass sie sich sehr entwickelt hat. Gleichzeitig geht ihre Entwicklung nicht ohne Kayce, weil sie ihm durchgängig verfallen ist. Da hätte ich mir einfach mehr Resilienz an manchen Stellen gewünscht, damit Kayce mal sein Fett wegbekommt. Stattdessen wirkte sie eher hörig und hat dann nur bei gemeinsamen Aktivitäten immer mehr Mut gefunden. All das nun im Rahmen von mentaler Gesundheit macht es noch schwieriger, weil es unweigerlich zu dem Thema führt, wann jemand krank ist, ob man dadurch Verhaltensweisen entschuldigen kann oder will. In Band 1 hätte ich mir gerne von allem etwas mehr gewünscht, hier hätte ich mir eher einen konkreten Austausch von einzelnen Elementen gewünscht, um die Charaktere mehr feiern zu können und dem Thema mentale Gesundheit eine stärkere Plattform geben zu können.Fazit: "Falling for NO. 89" hat für mich leider den guten Eindruck des Auftakts der LA Vipers nicht bestätigen können. Ich fand die einzelnen Komponenten nicht ideal gewählt, sodass das von Sommer so wichtig gewählte Thema der mentalen Gesundheit einen Beigeschmack bekommen hat. Ich bin leider nicht verliebt gewesen.