Eine Reise in die koreanische Mythologie. Unterhaltsam, Spannend und ab und an, möchte man den Charakteren ihre Getränke versauen.
Ich habe mir Der Gott und die Füchsin als selbst gekauftes Hörbuch geholt. Ausschlaggebend waren für mich vor allem das wunderschöne Cover, meine Liebe zu K-Dramas und mein großes Interesse an koreanischer Mythologie.Im Mittelpunkt stehen Hani, eine Füchsin, und Seokga, ein gefallener Trickster-Gott. Seokga wurde verbannt, weil er Unruhe gestiftet hat, und muss nun Buße tun, indem er die Wilden jagt. Hani ist dabei allerdings selbst kein Unschuldslamm, denn sie ist in Wirklichkeit die blutrote Füchsin, die bereits vor Jahren für Unruhe gesorgt hat. Durch ein unbedachtes Vergehen gerät sie wieder auf Seokgas Liste und versucht natürlich alles, um ihn von ihrer wahren Identität abzulenken.Als durch einen Feind eine große Dunkelheit ausgelöst wird, die die Welt zu einem sehr viel dunkleren Ort machen und dabei zahlreiche Leben kosten soll, wird Hani schließlich zu Seokgas Assistentin. Gemeinsam versuchen sie herauszufinden, was hinter dem Ganzen steckt und wer diese Kreatur ist.Hani und Seokga könnten am Anfang kaum unterschiedlicher sein. Hani ist stolz, instinktiv, triebgesteuert, zynisch und sarkastisch. Sie macht ihr eigenes Ding, ist dabei durchaus egoistisch und ein bisschen selbstverliebt. Ich muss ehrlich sagen, dass ich mit ihr am Anfang nicht sofort warm geworden bin. Seokga ist dagegen der griesgrämige, gefallene Gott, der eigentlich nur genervt von seiner Situation ist und möglichst wenig mit allem zu tun haben möchte.Gerade weil die beiden so unterschiedlich sind, hat mir ihre gemeinsame Entwicklung aber unglaublich gut gefallen. Sie lernen im Laufe der Geschichte beide sehr viel über Liebe, Wärme, Freundschaft, Vertrauen, Geborgenheit und Achtsamkeit. Und irgendwann hatte ich sogar das Gefühl, dass sie sich vielleicht gar nicht so verschieden waren, wie es zunächst den Anschein hatte. Ihre Entwicklung verläuft auf eine sehr ähnliche Art, und genau diese gemeinsame Entwicklung fand ich unglaublich schön.Die Geschichte selbst hat sich für mich allerdings gerade am Anfang teilweise ziemlich gezogen. Durch die Mythologie und die vielen Informationen hatte ich das Gefühl, dass die Handlung nicht so richtig ins Rollen kommt. Beim Hörbuch ist das für mich zusätzlich aufgefallen, weil man eben nicht einfach selbst das Lesetempo bestimmen und schnell durch die nächsten Seiten gehen kann. Am Anfang hatte ich dafür nicht unbedingt die nötige Geduld.Zum Ende hin hat die Geschichte dann aber deutlich an Fahrt aufgenommen. Dadurch wurde es für mich spannender, ich konnte mehr mitfiebern und auch die Dynamik zwischen Hani und Seokga hat immer mehr zugenommen. Ich hatte die beiden zu diesem Zeitpunkt wirklich liebgewonnen und wollte unbedingt wissen, wie ihre Geschichte ausgeht.Ein großes Highlight des Hörbuchs waren für mich Corinna Dorenkamp und Tim Gössler. Beide haben wirklich tolle Arbeit geleistet und den Charakteren unglaublich viel Leben eingehaucht. Emotionen und Atmosphäre wurden sehr schön transportiert und ich fand es besonders beeindruckend, wie gut man die unterschiedlichen Figuren auseinanderhalten konnte. Egal, ob eine männliche Stimme gerade eine weibliche Figur gesprochen hat, eine weibliche Stimme einen männlichen Charakter oder jemand eine ältere Figur übernommen hat - es war immer klar, wer gerade spricht. Das hat mir wirklich sehr viel Spaß gemacht.Auch Sophie Kims Umgang mit der koreanischen Mythologie fand ich sehr interessant. Sie erklärt zu Beginn, dass sie sich bewusst künstlerische Freiheiten genommen hat und beispielsweise nicht alle Verwandtschaftsgrade oder Zusammenhänge hundertprozentig der ursprünglichen Mythologie entsprechen. Gleichzeitig sind viele Wesen und Elemente der koreanischen Mythologie sehr schön in die Geschichte eingebaut. Und genau das hat bei mir sogar den Wunsch geweckt, mich selbst noch intensiver mit dieser Mythologie auseinanderzusetzen.Für mich ist Der Gott und die Füchsin deshalb vor allem eine Geschichte für alle, die Mythologien spannend finden, Wert auf Charakterentwicklung legen und gerne zwei völlig unterschiedliche Charaktere dabei beobachten, wie sie aufeinanderprallen und sich gemeinsam weiterentwickeln. Dazu kommen trockener und schwarzer Humor und eine gewisse Tension zwischen den beiden.Das Hörbuch kann ich aufgrund der Sprecher auf jeden Fall empfehlen. Persönlich glaube ich allerdings, dass ich die Geschichte lieber gelesen hätte, weil mir der teilweise langsamere Erzählfluss dann wahrscheinlich leichter gefallen wäre.Ich habe inzwischen auch schon mit dem zweiten Teil Der Gott und der Geist angefangen und muss sagen, dass er mir bisher nicht unbedingt leichter von der Hand geht. Trotzdem bin ich gespannt, wie die Reise weitergeht.