Marlow nimmt einen Ferienjob auf einer abgelegenen Insel an, wo sie gemeinsam mit anderen Teenagern Führungen durch die verfallene Morning House Villa gibt. Das Anwesen hat eine düstere Vergangenheit: Im Sommer 1932 lebte dort ein angesehener Arzt mit seiner Familie, doch innerhalb kurzer Zeit starben mehrere Kinder und Verwandte unter mysteriösen Umständen. Seitdem hält sich hartnäckig das Gerücht, ein Fluch habe auf der Familie gelegen.Während in der Gegenwart zunächst alles idyllisch wirkt, kippt die Stimmung, als die Historikerin, die die Ereignisse von damals untersucht, plötzlich verschwindet. Marlow beginnt zu ahnen, dass hinter der Geschichte weit mehr steckt als eine alte Spuklegende."Death at Morning House" von Maureen Johnson hat mich mit seinem Grundkonzept bekommen: eine verfallene Villa auf einer Insel, eine dunkle Familiengeschichte aus den 1930ern und ein Gegenwartsrätsel mit unterschwelliger Bedrohung. Eigentlich genau meins. Und tatsächlich hatte das Buch auch einige Aspekte, die ich wirklich mochte, aber leider auch ein paar deutliche Schwächen.Was mir sofort positiv aufgefallen ist, war der Schreibstil. Johnson schreibt sehr locker, teilweise humorvoll und unglaublich flüssig. Ich bin nur so durch die Seiten geflogen. Gerade für jüngere Leser*innen ist das super zugänglich, weil der Ton leicht und modern wirkt, ohne zu simpel zu sein. Gleichzeitig baut sie immer wieder eine leise, unterschwellige Unruhe auf: dieses Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt. Das mochte ich sehr.Besonders gelungen fand ich zudem den Vergangenheitsstrang rund um die Familie aus dem Jahr 1932. Diese Passagen waren für mich eindeutig das Highlight des Buches. Die Ereignisse wirken von Anfang an verdächtig, und man merkt die ganze Zeit: Hier steckt mehr dahinter als ein angeblicher Fluch. Ich habe richtig gerne mitgerätselt und versucht, die Puzzleteile zusammenzusetzen. Die Auflösung in diesem Handlungsstrang kam für mich auch durchaus überraschend und hat sich stimmig angefühlt. Davon hätte ich mir ehrlich gesagt noch mehr gewünscht.Das Setting der Insel trägt ebenfalls viel zur Atmosphäre bei. Diese abgeschiedene, leicht unheimliche Sommerkulisse funktioniert grundsätzlich sehr gut und passt perfekt zur Geschichte. Gerade am Anfang hatte ich richtig Lust auf einen atmosphärischen Mystery-Plot.Leider konnte der Gegenwartsstrang für mich da nicht mithalten. Hier hatte das Buch für mein Empfinden ziemlich viele Längen. Die Handlung braucht sehr lange, bis sie wirklich Fahrt aufnimmt, und zwischendurch passiert einfach zu wenig Spannendes. Ich habe öfter gedacht: Da müsste jetzt mehr kommen. Die Bedrohung bleibt eher schwach, und echte Mystery-Spannung wollte sich bei mir selten einstellen.Auch die große Enthüllung am Ende hat mich nicht wirklich umgehauen. Vieles lief mir zu geradlinig und glatt, ohne größere Wendungen oder echte Überraschungsmomente. Gerade weil der historische Strang gezeigt hat, wie viel Potenzial in der Geschichte steckt, fand ich das etwas schade.Mit Marlow als Hauptfigur bin ich ebenfalls nicht richtig warm geworden. Sie ist erst 14, was man ihrem Verhalten auch deutlich anmerkt. Vielleicht bin ich einfach nicht mehr ganz die Zielgruppe, aber mich hat es irgendwann genervt, wie sehr ihr Fokus auf Schwärmereien und Attraktivität lag. Gefühlt findet sie ständig irgendwen toll, und der Liebesaspekt nimmt mir zu viel Raum ein und zwar auf Kosten der eigentlichen Kriminalgeschichte. Für mich wirkte das stellenweise sehr vorpubertär und hat mich eher aus der Spannung rausgebracht.Was ich außerdem etwas unrealistisch fand: Dass auf der Insel zeitweise praktisch nur Jugendliche unterwegs sind und kaum Erwachsene eine Rolle spielen. Das hat für mich die Glaubwürdigkeit ein Stück weit geschwächt.Die Nebenfiguren bleiben leider ebenfalls recht blass. Ich hätte mir hier mehr Tiefe und stärkere Dynamiken gewünscht. Gerade in einem Mystery lebt viel von interessanten Figurenkonstellationen. Da wurde für mein Gefühl Potenzial verschenkt.FazitInsgesamt ist "Death at Morning House" von Maureen Johnson ein unterhaltsamer, schnell zu lesender YA-Mysteryroman mit einem starken historischen Handlungsstrang und angenehmen, humorvollem Schreibstil. Gleichzeitig leidet das Buch für mich unter einem zu schwachen Gegenwartsplot, einigen Längen und einem zu stark gewichteten Romance-Anteil.Für jüngere Leserinnen, die atmosphärische Mystery mit viel Sommer-Setting mögen, funktioniert das Buch wahrscheinlich sehr gut. Ich persönlich hätte mir mehr Spannung, mehr Twists und deutlich weniger Teenie-Schwärmerei gewünscht.