Hochinteressante Story, tolles Setting, exzellenter Schreibstil - nur minimale Schwächen in der Ausführung
Mein erstes Buch von Vera Buck. Und sicherlich nicht das Letzte! Ein unterhaltsames und interessantes Werk, welches jedoch nicht eindeutig dem Genre Thriller zuzuordnen ist, da es einige Handlungselemente wie aus einem (beinahe) historischen Drama beinhaltet. Story & Setting selbst sind schon hochinteressant gewählt - eine deutsch-italienische Architektin namens Tilda kauft ein Haus für einen Euro in einem verlassenen Geisterdorf in den Bergen Sardiniens und muss sich sehr bald mit der mehr als düsteren Geschichte des Ortes und des Hauses auseinandersetzen, als seltsame Dinge im Dorf geschehen und auf einmal ein weiterer Fremder im Ort auftaucht. Schnell merkt auch Tilda, dass sie dabei ist, ein lange gehütetes Geheimnis des Dorfes und dessen früherer Gemeinschaft aufzudecken, welches auch schnell sie selbst involviert... DerSchreibstil von Vera Buck hat mich begeistert. Bildhaft, aber nicht kitschig. Flüssig und gut zu lesen, weil nicht zu verschachtelt, aber auch nicht zu simpel geschrieben. Genau so wünsche ich mir eine gute Thriller-Autorin. Exzellent. Lediglich imAufbau des Buches gibt es kleinere Schwächen. Zum Beispiel verläuft die Story in insgesamt drei Handlungssträngen aus Sicht verschiedener Personen, welche im Verlauf der Geschichte zueinander finden. Hier hatte ich als Leser zu Ende hin Schwierigkeiten, den Faden bzw. den Überblick nicht zu verlieren. Manches Mal musste ich zurückblättern, um zu sehen, wer dort nun gerade agiert und spricht. Der Spannungsbogen ist auch etwas anders, als man es von sonstigen Thriller eher kennt: Er steigt nahezu gleichmäßig kontinuierlich an, in oft subtilem Level, mündet dann in einem mehr oder weniger Finale, welches leider zu kurz kommt und die Bezeichnung "Climax" m.E.n. nicht wirklich verdient. Dazu hätte er noch etwas fulminanter, krasser und fokussierter werden können. Generell hätte ich mir im gesamten Buch noch ein Spur mehr Thrill und Action erhofft. Viele Passagen, besonders ab der zweiten Hälfte, hätten gut und gerne nochmal 10-20 Seiten mehr vertragen können. Einige Handlungsstränge riefen geradezu danach, weiter ausgebaut und verfolgt zu werden, aber leider fand das nicht statt und nach kompakten 370 Seiten ist schon Schluss. Immerhin gibt es am Ende im Epilog eine Erklärung aller Umstände, sodass keine offenen Fragen offenbleiben. Und noch zur historisch-bezogenenThematik: Ich persönlich finde, dass bei diesem Buch (und Büchern allgemein) bei gewissen schweren Themen eineTriggerwarnung angefügt werden sollte. In der Story kommen nämlich üble Themen wie krasse, misogynistische Unterdrückung, mafiös-strukturierte Entführungen und patriarchalische Übergriffigkeit etc. drin vor, die für Menschen mit großem Gerechtigkeitssinn (wie mir) seelisch äußerst schwer zu ertragen sind. Dass anno 1982, in dem die Geschichte zum Teil spielt, in Sardinien bzw, Italien immer noch derart furchtbare, rückständige und widerliche Gesetze und Zustände gab, schockierte mich zutiefst und ließ mich innerlich wütend und moderat desillusioniert zurück. Nichtsdestotrotz hat mich das Buch gut unterhalten und ich bin gespannt auf das nächste Buch dieser -mit Verlaub- wundervoll charismatischen und obendrein bildhübschen Autorin gespannt.