Credence von Penelope Douglas war für mich das bisher heftigste Leseereignis. Es ist ein Buch, das polarisiert, Grenzen austestet und einen noch lange nach dem Zuklappen der letzten Seite beschäftigt.
Schon das Setting zieht einen direkt in den Bann: Die abgelegene, tief verschneite Berghütte erschafft eine isolierte, beinahe claustrophobische Atmosphäre, die mich auf eine ganz eigene Art an Shining erinnert hat. In dieser Abgeschiedenheit entwickelt sich eine Dynamik zwischen den Figuren, die extrem intensiv und nicht immer leichte Kost ist.
Besonders im mittleren Teil des Buches wird die Geschichte enorm pikant. Die Beziehungs- und sexuellen Konstellationen zwischen Tieran, Jake, Noah und Kaleb stießen bei mir stellenweise an Grenzen, an denen ich kurz davor war, das Buch abzubrechen. Auch Tierans Entscheidungen und Handlungen waren für mich in dieser Phase nicht immer ganz nachvollziehbar. Ebenso gab es Momente, die mich tief irritiert haben wie etwa Kalebs Rückblenden und seine Erfahrungen als Kind.
Doch das Durchhalten hat sich gelohnt: Penelope Douglas schafft es, die Handlung schlüssig aufzubauen. Im letzten Drittel wandelt sich der Roman von einer extremen Grenzerfahrung zu einer berührenden Liebesgeschichte mit echter emotionaler Tiefe. Besonders die Figur Kaleb hat mich im Verlauf der Geschichte nachhaltig fasziniert.
Am Ende entwickelt sich aus den verletzten Einzelgängern eine Familie, die zusammenwächst und bedingungslos füreinander da ist ein wunderschönes und tiefgründiges Happy End, das dem Buch den perfekten Rahmen verleiht.
Fazit: Credence ist keine leichte Lektüre. Den Hinweis zu Beginn des Buches, die Triggerwarnung im Anhang zu lesen, sollte man definitiv ernst nehmen. Wer sich aber auf die Geschichte einlässt, bekommt ein emotionales, mitreißendes und unvergessliches Leseerlebnis geboten. Für mich eine Geschichte, die lange nachwirkt und volle 5 Sterne verdient.