Eine winterliche YA-Geschichte mit schöner Botschaft und gemütlichem Setting, die trotz guter Idee nur sehr oberflächlich bleibt
Die Farbe von Schneeflocken ist ein klassischer winterlicher Young-Adult-Roman, der mit einer warmen Grundidee startet, unterwegs aber nicht ganz das einlöst, was er thematisch verspricht. Im Zentrum stehen Letti und Matteo, zwei Jugendliche, die in der Vorweihnachtszeit in einer Kinderklinik aushelfen sollen, um den kleinen Patient:innen ein schönes Fest zu ermöglichen. Allein dieses Setting bringt automatisch eine gewisse emotionale Schwere mit - und genau darin liegt sowohl die Stärke als auch die Schwäche des Buches.Die Geschichte wird abwechselnd aus beiden Perspektiven erzählt, was grundsätzlich gut funktioniert und dabei hilft, die Beweggründe der Figuren nachzuvollziehen. Letti, die Weihnachten aus guten Gründen ablehnt, trifft auf den allzeit gut gelaunten Matteo, der mit Lichterketten, Christbäumen und Weihnachtsliedern gefühlt im Dauer-Adventsmodus lebt. Dieses Gegensätze-Prinzip ist vertraut, funktioniert anfangs auch ganz charmant und sorgt für einige süße, wenn auch recht vorhersehbare Momente.Leider bleibt es dabei oft an der Oberfläche. Sowohl die Liebesgeschichte als auch die Charakterentwicklung wirken stellenweise zu glatt und gleichzeitig unnötig dramatisch. Konflikte entstehen häufig aus fehlender Kommunikation, werden aufgebauscht und dann recht schnell - und etwas kitschig - wieder aufgelöst. Gerade hier hätte ich mir mehr Tiefe und weniger Teenie-Drama gewünscht. Besonders Lettis Reaktionen empfand ich mehrfach als überzogen, während Matteo wiederholt in dieselben Muster zurückfällt, ohne wirklich daraus zu lernen.Auch das eigentlich sehr starke Thema der Kinderklinik wird nur angerissen. Zwar ist die Botschaft - Dankbarkeit, Mitgefühl und der Wert kleiner Gesten - klar erkennbar, doch der Klinikalltag und die Schicksale der Kinder bleiben überraschend blass. Stattdessen liegt der Fokus stark auf Weihnachtsdeko, Wunschbaum und Geschenkaktionen, was zwar zur Stimmung passt, auf Dauer aber wenig Spannung trägt.Unterm Strich ist Die Farbe von Schneeflocken ein netter, leicht zu lesender Weihnachtsroman, der vor allem jüngere Leser:innen ansprechen dürfte. Die Grundidee ist schön, die Message zur Weihnachtszeit durchaus gelungen, doch Charaktere, Drama und Handlung bleiben zu oft oberflächlich und vorhersehbar. Für gemütliche Stunden im Advent okay. Allerdings ein Buch, das man lesen kann, aber nicht unbedingt gelesen haben muss.