Ein literarisches Sachbuch
Zu einer Zeit, da erlegte Wale noch viele für das menschliche Leben notwendige Stoffe lieferten, bricht die Crew derPequodmit ihrem Kapitän Ahab zu einer mehrjährigen Reise um die Welt auf. Ahabs eigentliches Ziel ist es, den weißen Wal Moby Dick zu töten, der ihm bei einer früheren Begegnung ein Bein gekostet hat. Im Auftrag der Schiffseigner werden dennoch andere Wale gefangen, getötet und gleich auf dem Schiff verarbeitet. In den letzten 3 von 135 Kapiteln kommt es schließlich zur Jagd auf Moby Dick.Ohne Frage lohnt es sich, diesen Klassiker zu lesen, um mehr über das gefährliche Leben der Walfänger zu erfahren. Daneben gibt es eine Fülle von Informationen über Wale an sich, ihre zoologische Einteilung, ihre Anatomie, ihre Fangbarkeit und ihren Nutzen für die Menschen im 19. Jahrhundert. Auch wenn man den Walfang heute ablehnt, ist es doch sehr interessant zu lesen, auf welcher Grundlage die Zivilisation in den Städten Europas damals stand.Bei all diesen Details verliert man leider irgendwann den Bezug zu den Romanfiguren. Der Erzähler Ishmael verliert sich selbst unterwegs, wird vom Ich-Erzähler quasi zum auktorialen Erzähler. Damit geht auch seine Beziehung zu Queequeg verloren, dem überall tätowierten Harpunier, der ein größerer Held als Ahab ist. Bis Kapitel 123 habe ich durchgehalten, dann wollte ich keine weiteren Einzelheiten des Schiffs mehr erklärt bekommen und bin bei Kapitel 133 wieder eingestiegen. Doch auch diese letzten Kapitel waren mir letztlich zu detailliert, zu poetisch literarisch geschrieben, dass ich nur noch drübergehuscht bin. Dann hatte Moby Dick schließlich diePequodzerstört, was sich richtig anfühlte. Und ich konnte das Buch endlich als gelesen ins Regal zurückstellen.