Heu, da haben die beiden Erfolgsautoren Volker Klüpfel und Michael Kobr schon den vierzehnten Allgäu-Krimi um den unnachahmlichen Kriminalhauptkommissar Kluftinger bekannt auch durch die Buchverfilmungen vorgelegt. Blendwerk zeigt ein herbstliches regionaltypisches Hardcover, doch der Roman schickt Klufti und sein Team in eine virtuelle Welt zwischen Hashtags, Reels und Fake-Accounts.
Doch wer Kluftinger hier für total unwissend hält, der irrt. Schon in seinem Wahlkampf um einen Sitz im Altusrieder Gemeinderat sind die Postings des Kommissars viral gegangen. Jetzt sitzt er dort neben dem nervigen Dr. Langhammer, der allerdings einer anderen Fraktion angehört. Aber etwas politische Mauschelei wird doch möglich sein man wird sehen.
Nun aber zum Mordfall, der einen Ausflug der Familie Kluftiger in den Eistobel im Westallgäu nachhaltig stört: Eine junge Frau treibt im Wasser tot. Unglücksfall oder Mord? Sie war Influencerin und hatte viele Neider, denn das Geschäft um den Werbemarkt und um Sponsoren ist hart umkämpft. Also taucht das bewährte Team ein in die Welt von Social Media. Richard Maier ist begeistert, erstellt er doch gleichzeitig einen Blog über die Polizeiarbeit. Das hat ihm der neue Polizeichef per E-Mail aufgetragen, den nur noch niemand zu Gesicht bekommen hat. Polizistin Lucy Beer kennt sich sowieso aus und treibt die Ermittlungen gekonnt voran. Nur Roland Hefele wünscht sich die gute, alte Polizeiarbeit zurück. Auch scheint ihn etwas zu bedrücken. Kluftinger fühlt sich an seinen Kollegen Eugen Strobl erinnert, an dessen Tod er sich noch immer schuldig fühlt.
Die schwierigen Ermittlungen führen in die Tiefen des Darknets. Ein anonymes Profil scheint besonders verdächtig, jedoch können die Kommissare lange nicht herausfinden, wem es zuzuordnen ist. Doch Markus, der Sohn des Kommissars, arbeitet als Profiler beim LKA und steuert entscheidende Hinweise bei. Als tolle Quelle für Infos erweist sich ein Meta-Manager, den Kluftinger zufällig ans Telefon bekommt.
Wieder beschreiben Volker Klüpfel und Michael Kobr eine Allgäu-Idylle, in der diesmal Bodenständigkeit, Massentourismus und die Hochglanzwelt von Instagram und TikTok aufeinandertreffen. Auch in der Familie ist es nicht einfach: Schwiegertochter Yumiko hat ihre nervige Schwester zu Gast, japanisches Plastikspielzeug konkurriert mit Opas Vorträgen über die herbstliche Natur und Kluftingers kleine Enkelin Maxima lernt als Wort Wasserleiche. Zefix! Gattin Erika ist stolz auf die politische Karriere ihres Butzele und Sohn Markus verdreht wieder mal die Augen, wenn er dem Kommissar beim Installieren von Netflix helfen muss. Kluftingers Vater bespitzelt das ganze Dorf und der Kommissar ist so, wie die Lesenden ihn schon lange kennen: Ein sehr kompetenter Ermittler, manchmal linkisch und immer sehr sparsam.
Mein Fazit:
In diesem Konglomerat aus Schein und Sein scheint die Lösung des Falles manchmal in den Hintergrund zu geraten, dennoch haben die Autoren wieder einen spannenden Regionalkrimi in bewährter Qualität vorgelegt. Der Roman bietet viel Herz sowie Witz und ist ein echtes Lesevergnügen. Ein paar Cliffhänger dürfen natürlich nicht fehlen. Daher auf zu einem Besuch ins schöne Allgäu, der sich nicht nur für eingefleischte Kluftifans wirklich lohnt!