Richtig tolles Buch. Ich hatte einfach so viel Spaß damit.
Geneviève wird auf einer Reise überfallen, ihre Beschützer werden umgebracht und sie selbst steht kurz davor, entführt zu werden. Und dann kommt Oscar, ein Halb-Orc, rettet sie aus der Situation und wird kurzerhand ihr Leibwächter und Begleiter. Und von da an reisen die beiden gemeinsam durchs Land.
Und ich glaube, genau das ist das, was ich an dem Buch am meisten geliebt habe.
Geneviève kennt eigentlich nur ihre kleine Welt. Sie wurde unglaublich behütet und vor allem sehr hoch erzogen. Ihr wurde immer gesagt, wie man sich zu benehmen hat, was sich gehört und was nicht. Und dann trifft sie auf Oscar, der von all diesen Dingen nicht besonders viel hält. Und plötzlich merkt sie, dass die Welt da draußen ganz anders funktioniert.
Es hat so viel Spaß gemacht, das zu lesen.
Zu sehen, wie sie immer mehr lernt, auf andere Menschen zu hören. Wie sie anfängt, ihnen zu vertrauen. Wie sie merkt, dass viele dieser Regeln und Sitten, die ihr ihr ganzes Leben lang eingetrichtert wurden, für die meisten Menschen überhaupt keine Rolle spielen. Weil die ganz andere Sorgen haben.
Und diese Entwicklung von Geneviève ist einfach unfassbar schön geschrieben.
Aber auch Oscar entwickelt sich weiter. Nicht so offensichtlich vielleicht, aber trotzdem spürbar. Er trägt seine eigenen Päckchen mit sich herum und findet durch Geneviève irgendwie wieder einen neuen Funken. Und gemeinsam durch diese Welt zu reisen und die beiden dabei zu begleiten, wie sie sich gegenseitig beeinflussen, war einfach richtig schön.
Vor allem, weil das Ganze auch noch so verdammt lustig ist.
Zumindest lange Zeit.
Es gibt so viele Situationen, die einfach herrlich bescheuert sind. Momente, in denen Welten aufeinanderprallen. Momente, in denen Geneviève Dinge entdeckt, die für andere völlig normal sind. Und dieser Entdeckergeist von ihr hat einfach wahnsinnig viel Spaß gemacht. Dazu kommt dann noch Oscar, der immer mehr dieses Strahlen in ihr sieht, und ich weiß nicht, ich fand das einfach zuckersüß.
Allerdings muss ich auch sagen, dass das Buch für mich irgendwann ein bisschen abgebaut hat.
So ungefähr ab 60 Prozent.
Da wurde mir zum einen der Spice etwas zu viel. Während des Lesens dachte ich schon mehrfach: Okay, das muss jetzt halt echt nicht sein. Das hätte man auch kürzer machen können.
Jetzt, nachdem ich das Buch beendet habe, sehe ich das aber ein bisschen anders.
Weil ich inzwischen verstehe, warum diese Szenen so geschrieben wurden. Sie sind eigentlich ein Stilmittel. Ganz viel von Genevièves Entwicklung wird genau dort besonders hervorgehoben und verdeutlicht. Viele ihrer Veränderungen werden in diesen Szenen noch einmal unterstrichen. Und deshalb finde ich sie im Nachhinein völlig okay.
Trotzdem kann ich jeden verstehen, der nicht gerne Spice liest und irgendwann denkt: Ich habe keine Lust mehr darauf. Das ist einfach eine Geschmacksfrage.
Und ungefähr an derselben Stelle hat leider auch der Humor etwas nachgelassen.
Das fand ich tatsächlich fast noch schade.
Weil ich mich die ganze Zeit darauf gefreut hatte, dass es genauso bescheuert und witzig weitergeht wie am Anfang. Aber viele der Dynamiken, die diese lustigen Situationen erzeugt haben, sind irgendwann mehr in den Hintergrund gerückt. Was irgendwo auch logisch ist. Vieles wird auf dieser Reise irgendwann normal. Aber ich habe diese Momente trotzdem vermisst.
Was das Buch dafür wirklich gut macht: Die Reise wird nie langweilig.
Und das ist bei Reisegeschichten echt nicht selbstverständlich.
Es passiert immer wieder etwas, das Spannung erzeugt. Immer wieder neue Situationen, neue Begegnungen oder neue Probleme. Nicht ständig riesige Dramen, aber genug, damit man weiterlesen möchte.
Und das Ende hat mir auch richtig gut gefallen.
Da gab es noch ein paar Entwicklungen und Twists, die ich so nicht unbedingt habe kommen sehen. Nichts wahnsinnig Komplexes, aber genau genug, um mich zu überraschen. Und vor allem mochte ich, wie sich alles entwickelt hat.
Für mich war das einfach eine Geschichte mit unglaublich viel Herz.
Süß. Spannend. Lange Zeit wirklich unfassbar lustig. Mit Charakteren, die wachsen, sich verändern und dabei trotzdem sie selbst bleiben.
4,5 Sterne.
Ich fand's einfach toll.