"Earthbound" beginnt ungeahnt ernüchternd: Weder die Beziehung von Rayan - einst Oberst der Elfenarmee, heute König der Faes - und der Seherin Lettle noch die von Königin Furi und Yeeran, die mittlerweile als Botschafterin zwischen den verfeindeten Völkern fungiert, scheint stabil genug, um gegen Krieg, Tragik und das Schicksal zu bestehen. Selbst die Wege von Golan, dem Lichtlosen, und Alder müssen sich, so kurz, nachdem sie einander gefunden haben, trennen. Und niemand weiß, ob sie sich je wiedersehen werden ..."Wir haben im Namen der Gerechtigkeit schreckliche Dinge getan, nicht wahr? (...)Niemandes Zorn sollte Städte zerstören.Niemandes Macht sollte ein Volk dezimieren." Während die Truppen der Elfenvölker den Eingang zu Mosima belagern, das verfluchte Fae-Reich mit tödlichen Plagen infiltrieren und der begehrte Frieden mit jedem Tag weiter in die Ferne rückt, schwindet die Kraft der dezimierten, von all den grausamen Ereignissen, dem Verrat erschütterten, zutiefst zweifelnden Fae. Wie lange kann Furi dem wachsenden Druck standhalten, ohne ihre Geliebte, die so nah und gleichzeitig fern ist, in den Armen zu halten? Ohne Rayan an ihrer Seite, der nie wirklich da, sondern stets bei Lettle ist? Gemeinsam mit Alder, Farhan und Shera hat sich die Seherin vor Monaten auf den Weg gemacht, um endlich die Wahrheit zu finden - über den erinnerungslosen Nomaden, das Grimoire von Afa und den Fluch, der den Fae zwar einen autarken, geschützten Ort, gleichsam aber nicht mehr als ein Gefängnis bietet. Über den Grund, der eine ganze Dynastie an Mosima band, und jenen, der die Menschen von der Erde tilgte. Doch vielleicht sollten manche Geheimnisse verborgen bleiben, tun sie zu sehr weh, und vielleicht kommt manche Lösung am Ende einfach zu spät ...Das Finale der "Battle of the Drumfire"-Trilogie besticht wie auch die Vorgänger mit einer faszinierenden Aufmachung, die dem Inhalt in nichts nachsteht. Hilfreich für die Orientierung sind eine Weltkarte sowie das sich am Ende befindende und kommentierte Namensregister samt eines kleinen Glossars. Saara El-Arifi hat sämtliche der offenen Fragen zufriedenstellend und logisch, vielerseits überraschend und gewissermaßen dramatisch beantwortet. Bevor die Story fortgesetzt wird, wartet erneut eine Zusammenfassung in Form eines Tagebucheintrags. Die Autorin lässt uns wieder aus wechselnder Perspektive an den Ereignissen teilhaben: Hauptsächlich halten uns die beiden Schwestern Lettle und Yeeran über die aktuellen Entwicklungen und über die gesammelten Erkenntnisse auf dem Laufenden. Ebenso kommen Furi, auf deren Schultern eine gewaltige Last liegt und die noch immer mit den zu frischen Verlusten hadert, und Alder zu Wort, was uns in Zwiespälte, Überlegungen und harte Entscheidungen miteinbezieht. Aufgrund dieser vielfältigen Eindrücke war es leicht, das sich stets wandelnde Geschehen sowie die Charaktere greifen und all dem nachspüren zu können. Ohne viel vorwegzunehmen: Sowohl in Mosima als auch auf dem Weg nach und in Caperly warten zahlreiche Twists, Spannung und Action, ebenso wie bewegende Offenbarungen und rührende Augenblicke. Immer dabei sind die wundersamen Obeah, von denen vor allem Pira, Ajix und Amnan Relevanz erfahren. Zusätzlich bekamen die Nebenfiguren, wie bspw. Mia, Dart, Mortah, Jay und Golan, so viel Raum, dass sie wirklich eine Rolle begleitet haben. Wie sich die Situation in den Faelanden und bei den Elfen zuspitzt, welchen ungeahnten Gefahren Lettle trotzen, welche Wahrheiten jedes Volk in diesem Finale ertragen muss, hält gemeinsam mit der aufwallenden Hoffnungslosigkeit und dem erschöpften Wunsch, endlich die Waffen niederzulegen, Fehler zu bereinigen und frei zu sein, durchgehend die Spannung oben. Aber ...Stilistisch fand ich "Earthbound" weniger poetisch und malerisch als die Vorgänger, was jedoch daran liegen könnte, dass ich zuvor mehrere sprachlich anspruchsvolle High Fantasy-Werke genossen habe. Obgleich El-Arifi die genderneutrale Ausdrucksweise beibehielt, großen Wert auf Queerness und Diversität legte, ohne dies als Besonderheit hervorzuheben, war die Wortwahl lasch und platt, unpassend für die geschaffene, gespaltene Welt, die ernsten Themen und nahbaren Probleme. Zwar erleichtert dies Verständnis und Zurechtfinden, aber einige "Schlüsselszenen" glitten so einfach und rasch, ohne die nötige Zeit und Tiefe, ohne die Emotionen, die so mancher Augenblick bereitgehalten hätte, dahin, dass ich minimale Enttäuschung verspürte. Nichtsdestotrotz schuf die Autorin mit dieser Serie etwas Nachhallendes und Beeindruckendes, schenkte sie den LeserInnen nicht nur ein detailreiches Worldbuilding, ausgefeilte Magie und zauberhafte Wesen. Sondern auch eine Geschichte über die Notwendigkeit von Umdenken und Aufbegehren, über Kriege und die Konsequenzen für alles und jeden. Über das, was die Gier nach mehr mit Flora und Fauna; was Liebe, Hass und gebrochene Herzen anrichten kann. Über zu viel Macht in den falschen Händen. Der Spice- und Romanceanteil hält sich mit den alles verändernden, offen gelegten Hintergründen und den politischen Entwicklungen die Waage."Lebe so, wie du liebst, leidenschaftlich und tief."Sehr gelungen in allen drei Bänden war neben der Verbundenheit mit und der Wertschätzung der Natur sowie dem mitfließenden Respekt vor dem Leben und dem Tod die Erinnerung daran, dass das Schicksal in unseren Händen liegt, in unseren Entscheidungen und Verantwortungen. Daran, dass wir alle eins sind - egal, welches Blut in uns fließt.Die letzten Kapitel sind reich an Tempo und Veränderungen, an WTFs und Herzschmerz, aber auch an der verdienten Ruhe, einer Pause und dem Hauch Hoffnung - die Hoffnung, trotz des Bewusstseins, dass in einer Welt, in der unterschiedliche Rassen und Wesen existieren, Krieg nie weit weg ist.