Wird bei euch der Besuch des Kinderarztes auch immer wieder zur Herausforderung? Wie schaffen es Mediziner, die ihre Patienten und Patientinnen nur alle paar Monate sehen, eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen? Ich erlebe es mit meinen Kindern immer wieder, dass Untersuchungen verweigert werden, weil die Distanz zu ArzthelferInnen und dem behandelnden Mediziner einfach zu groß ist. Leider fehlt auch oft die Zeit, auf das Kind individuell einzugehen. Dabei könnte es doch so einfach sein, wie wir in dem neuen und einfach ganz bezaubernden Bilderbuch von Regina Feldmann erfahren.
In dieser Praxis läuft einfach alles anders, denn statt mit Tabletten und Säften werden kleine PatientInnen vor allem mit den besten Heilmitteln aller Zeiten behandelt: Fantasie und Empathie.
Toni hat eigentlich so gar keine Lust, zur Ärztin zu gehen und sich untersuchen zu lassen. Und dann stehen ihr plötzlich auch noch drei Fremde gegenüber. Doch Frau Dr. Aydin findet direkt einen Draht zum Mädchen, indem sie auf das Seeräuberkostüm des Kindes eingeht und sich als Kapitänin Selma und ihre Kollegen als Schiffsschreiberin Anne und Lehrling Leo vorstellt. Erst lädt sie Toni ein, das Schiff zu betreten, doch dann bemerkt sie die auffällige Größe des Kindes und behauptet:
"Auf mein Schiff dürfen nur Personen, die kleiner als drei Meter sind. Damit sie sich nicht den Kopf am Mast stoßen." (Buchzitat) Und Toni weiß direkt, wie sich dieses Problem lösen lässt und stellt sich bereitwillig vor die Messlatte.
Mit viel Fantasie und tollen Ideen spinnt die Ärztin die Geschichte weiter und bringt das zurückhaltende Mädchen dazu, bereitwillig bei den Untersuchungen mitzumachen.
Ich mag besonders die Idee von Kapitänin Selma, das Schiff heimelig zu gestalten mit Gemälden der Kinder und schon malt Toni ein kunterbuntes Bild von ihrem Abenteuer.
Wer würde bei dieser liebevollen und sehr einfühlsamen Ärztin nicht auch freiwillig und allzu gerne mit seinem Kind im Wartezimmer Platz nehmen und dem nächsten spannenden und fantasievollen Abenteuer entgegenfiebern?!
Regina Feldmann hat eine ganz wundervolle, inspirierende Geschichte geschrieben, die zeigt, dass es nicht viel braucht, um kleinen PatentInnen ein wohliges Umfeld zu schaffen und mit Empathie und Verständnis Vertrauen aufzubauen. Fantasie und Kreativität sind einfach oft der Schlüssel, der Kinderherzen öffnet. Vielleicht nimmt sich ja der ein oder andere Arzt diese großartige Idee zum Vorbild und erfreut sich schon bald vieler glücklicher PatientInnen. Auch wenn diese intensive Behandlung nicht immer möglich ist, haben Kinder selbst die Chance, aus ihrem Besuch mit ein wenig Fantasie ein unvergessliches Erlebnis zu machen.