Die vielleicht beste Prämisse, die ein deutschsprachiger Roman je hatte. Das Ende versucht dann, klüger zu sein als die Geschichte.
Das Geniale an Grenouille: Er ist kein Psychopath, der zufällig gut riechen kann. Er ist ein Wesen, das die Welt ausschließlich durch die Nase begreift, und Mord ist für ihn so etwas wie Blumenpflücken. Süskind erzählt das in einem Tonfall, der nach Puderzucker und dem 18. Jahrhundert klingt, und genau diese Distanz macht es so unheimlich. Man liest von schrecklichen Dingen und fühlt sich dabei wie in einem Museum. Die ersten zwei Drittel sind makellos. Grenouilles Lehrjahre bei Baldini, der Aufstieg zum Meisterparfümeur, die Logik seiner Morde. Dann Grasse, die Massenszene, und plötzlich will Süskind Parabel sein statt Roman. Das Ende fühlt sich an, als hätte jemand dem Buch eine Doktorarbeit angehängt. Trotzdem: Wer Grenouille einmal gerochen hat, vergisst ihn nicht. Und das meine ich wörtlich.