Schellfisch ist anders. Die Kindheit ist geprägt von einer Mutter, die sich unnahbar gegenüber ihrem Kind verhält. Ständig wechselnde Männergeschichten, die zwar den Kühlschrank mit Fischstäbchen füllen, jedoch an keiner dauerhaften, stabilen Familienbindung interessiert sind, lassen das Kind einsam und allein zurück. In der Förderschule lernt Schellfisch Menschen kennen, die mit Schwächen leben müssen, wie er sie auch besitzt. Die Lernfähigkeit der Jugendlichen ist eingeschränkt und damit auch die Teilhabe an der modernen Leistungsgesellschaft. Sie spüren eine Verbundenheit, die jedoch auf einem instabilen Fundament steht. Schellfisch verlässt nach Ausgrenzung mit brutalen körperlichen Verletzungen das heimatliche Dorf am Meer in den Niederlanden, dass ihm keine Perspektive bieten kann und sucht sein Glück in der großen Stadt.
Wie gemein, menschenverachtend und erbärmlich sich Menschen gegenüber Menschen mit eigeschränktem Intellekt verhalten können und welchen Repressalien diese im Kampf ums nackte Überleben ausgesetzt sind, davon erzählt Nadia de Vries in ihrem besonderen Roman Kapitulation auf Kommando ungeschönt und ehrlich. Sie zeichnet ein Bild unserer westlichen Gesellschaft, die wegschaut und verachtet, von Gewalttätigkeit nicht zurückschreckt. Eine Geschichte, die das Anderssein in den Fokus stellt und sich mit den schmerzhaften Folgen intensiv auseinandersetzt.