. Wenn du eine gute Rachegeschichte zu schätzen weißt, die nicht nur mitreißt, sondern ihr Versprechen auch konsequent einlöst, wird dich Molka nicht enttäuschen. Kim greift das Motiv der weiblichen Rache auf und verwandelt es in etwas Rohes, Unbändiges und erschreckend Fesselndes.
Dieser Roman ist ein Ventil für eine archaische, ungezähmte Wut!
Eine Katharsis, die sich ihren Weg bahnt, ohne um Erlaubnis zu bitten. Genau darin liegt seine außergewöhnliche Kraft.
Molka ist ein blutiges, zorniges, rachgieriges Ungeheuer von einem Roman. Ein literarischer Wutausbruch, der keine Kompromisse kennt und sich nicht die Mühe macht, irgendjemandem zu gefallen.
Female Rage, wie sie sein muss
kompromisslos, ungezähmt und verdammt noch mal überfällig.
Dieses Buch solltest du lesen! 5/5
. Aber worum geht es genau
Ein einziger Klick zerstört ihr Leben.
Ein Video macht sie zur Geächteten. Junyoung weidet sich daran, Frauen mithilfe illegal installierter Kameras ihrer intimsten Momente zu berauben. In seinem perversen Doppelleben wähnt er sich unangreifbar, bis Dahye in sein Visier gerät. Er rechnet mit Tränen und gebrochener Scham. Doch er bekommt Blut. Denn Dahye verwandelt ihre Demütigung in rasende Wut und entfesselt einen erbarmungslosen Rachefeldzug gegen ein System, das Täter schützt und ihre Opfer zum Schweigen verurteilt.
. In Molka begegnen uns zwei Perspektiven, die kaum
gegensätzlicher sein könnten.
. Da ist Junyoung, ein frauenverachtender Mann, der seinen voyeuristischen Neigungen freien Lauf lässt und dabei offenbar keinerlei Problem mit sich selbst hat. Warum auch
es sind schließlich immer die anderen,
die den Preis für seine Abgründe zahlen.
. Und dann ist da Dahye. Auf den ersten Blick selbstbewusst und stark, verbirgt sich hinter dieser Fassade eine Frau voller Selbstzweifel, die noch immer im Schatten ihrer verstorbenen Schwester steht. Dass sie für Junyoung längst nicht nur ein Opfer ist, macht die Sache umso perfider. Doch um zu erfahren, was dahintersteckt, musst du das Buch schon selbst aufschlagen.
. Dahye ist eine wunderbar vielschichtige Figur
fehlerhaft, verletzlich und nahbar, aber zugleich von einer Stärke, die sich gerade dann zeigt, wenn alles um sie herum auseinanderzubrechen droht. Lange tappt sie im Dunkeln, während ihr Leben zunehmend aus den Fugen gerät. Es ist beinahe unmöglich, nicht mit ihr zu fühlen, ihre Angst und Frustration zu teilen und an ihrer Seite die Orientierung zu verlieren. Zu erleben, wie sie sich verändert und Stück für Stück der Wahrheit näherkommt, gehört für mich zu den größten Stärken des Romans.
. Die Männer in dieser Geschichte sind schlichtweg abscheulich. Und das ist noch freundlich formuliert. Doch die eigentliche Wucht von Molka liegt darin, dass der Roman nicht bei seinen widerwärtigen Tätern stehen bleibt. Er richtet den Blick auf jene gesellschaftlichen Strukturen und Institutionen, die Missbrauch ermöglichen, Täter schützen und dafür sorgen, dass alles munter weitergehen kann. Denn was wäre schon ein einzelner Mann mit seinen Abgründen, wenn ihm nicht eine ganze Gesellschaft dabei helfen würde, sie auszuleben? Der Roman verstört deshalb nicht nur durch seine niederträchtigen Figuren, sondern vor allem durch die Verhältnisse, in denen sie gedeihen können.
. Hinzu kommt ein weiteres Element, das mich begeistert hat und mit dem ich in dieser Form ganz und gar nicht gerechnet hatte. Mehr verrate ich allerdings nicht.
Ein bisschen Spannung soll schließlich übrig bleiben.
. Der wahre Horror von Molka liegt jedoch in seiner erschreckenden Realität. Die sogenannte Molka-Epidemie ist keine bloße literarische Schreckensvision, sondern beruht auf tatsächlichen gesellschaftlichen Missständen. Dieses Wissen verleiht der Geschichte eine besonders verstörende Dimension. Was beim Lesen ohnehin Unbehagen auslöst, lässt sich dadurch kaum noch auf sicherer Distanz halten. Und genau dieses Gefühl hat mich auch lange nach dem Zuklappen des Buches nicht losgelassen.
. Überraschend schnell ließ sich der Roman zudem lesen. Einmal angefangen, fiel es mir schwer, ihn wieder aus der Hand zu legen. Ich wollte wissen, wie sich die Ereignisse entwickeln, welche Abgründe sich noch auftun und wohin Dahyes Weg sie führen würde.
Alles in allem ist Molka ein düsterer, verstörender und auf eine beinahe unangenehme Weise befriedigender Thriller mit Horrorelementen.
Ein Roman über Voyeurismus, Macht und Rache, der sein Publikum gezielt aus der Komfortzone lockt. Er hat mich genau dort unbehaglich fühlen lassen, wo er es sollte und mich dabei gleichzeitig bestens unterhalten.
. Wenn dir Die Augen sind das Beste gefallen hat, könnte auch Molka genau das Richtige für dich sein. Vorausgesetzt natürlich, du hältst es aus, wenn der wahre Horror nicht im Übernatürlichen lauert, sondern direkt vor unserer Haustür.