Einatmen. Ausatmen. Maxim Leo
Sie wusste schlicht nicht, wie man es anstellt, sich mit anderen Menschen zu verbinden. (S.37)
Sie das ist Marlene Buchholz, 39, irgendwie in einer richtig wichtigen Funktion bei der Aviola in Hamburg und mit der Option, dort noch wichtiger, nämlich CEO zu werden. Zu Marlenes Bedauern reichen Kompetenz, Erfahrung und Ehrgeiz sowie halbherzig Verständnis für Mitarbeitende und ihre Belange vorzugaukeln nicht aus, um befördert zu werden und insbesondere ihr robust-rustikales Auftreten gegenüber dem Team sorgt für Zweifel an ihrer Befähigung für die gehobene Position.
Marlenes Chef Dr. Finckenstein hat vor Jahren an einem Seminar in der Academy von Alex Grow teilgenommen, ist dort zu Ruhe gekommen, hat gelernt einen anderen Blickwinkel einzunehmen und verstanden, dieses erfolgreich in seine Führungsrolle einzubringen. Die Academy scheint der beste Ort zu sein, um Marlene aus ihrer ausgeprägten Emotionsarmut herauszuholen und Alex der Einzige, der aus ihr eine empathische Führungskraft hervorzaubern kann.
Zauber und ein kleines Wunder wären auch für Alex gar nicht so schlecht, denn seine Academy steht wirtschaftlich nicht gut da. Und so findet sich flott ein Deal mit Dr. Finckenstein: gelingt es Alex, Marlene zu einer Führungskraft mit Herz zu machen, werden zukünftig alle Mitarbeitenden der Aviola Kurse bei ihm belegen und die Academy wäre damit gerettet.
Es versteht sich von selbst, dass Marlene nur widerstrebend der Anweisung von Dr. Finckenstein folgt und sich auf den Weg zu Alex macht. Sie hält Achtsamkeit für Firlefanz und sieht die Zeit bei Alex als Zeitverschwendung an, die ihren Weg an die Unternehmensspitze verzögert - und schon bald treffen zwei Welten aufeinander.
Wunderbar! Einfach großartig! Maxim Leo erzählt mit Humor, Verstand und Gefühl eine Geschichte, die viel, viel mehr als Junge trifft Mädchen ist und mich wunderbar unterhalten hat. Es passiert viel, aber nicht zu viel in der Geschichte, die einzelnen Handlungsstränge sind klug und glaubhaft miteinander verbunden und selbst die Nebenfiguren mit viel Liebe angelegt. Ganz besonders haben es mir Günther Mattissen und seine Mutter angetan. Ich mag diesen Teil der Geschichte in all seinen Facetten. Die Welt braucht mehr Mattissens!
Alles ändert sich, nichts kann bleiben, wie es war. Warum eigentlich? War denn alles so schlecht vorher? Wir brauchen doch Dinge, die einfach da sind und auf die man sich verlassen kann. (S.128)
Ich mag es, wie Maxim Leo erzählt, seine Bücher zu lesen ist ein wenig, als ob dir ein Herzensmensch eine schöne Geschichte erzählt. Ich sehe die Orte vor mir, bin beobachtend mittendrin in der Szenerie und die Personen sind so lebhaft beschrieben, dass ich mir vorstellen kann, wie sie sich bewegen, wie ihre Gesten aussehen und ihre Stimmen klingen.
Einatmen. Ausatmen. hat mich von der ersten bis zur letzten Seite begeistert; ganz große, herzliche Leseempfehlung.