Nachdem sein Vater verstorben ist, findet sein Sohn dessen Tagebücher. Seine Geschwister überlassen ihm die Aufzeichnungen, darunter auch die Kriegstagebücher. Beim Lesen beginnt er, sich immer mehr mit der Frage zu beschäftigen, wer sein Vater eigentlich war. Denn je mehr er über dessen Leben erfährt, desto deutlicher wird ihm, dass er seinen Vater eigentlich kaum gekannt und ihm zu wenig Fragen gestellt hat.Durch die Tagebücher tauchen wir relativ schnell in die Vergangenheit ein. Anton Nero, der Vater, ist noch jung, als der Krieg bevorsteht. Wir begleiten ihn über mehrere Jahrzehnte hinweg, durch den Krieg, unter anderem auch während seiner Stationierung im Norden Skandinaviens, bis hin zu seiner Rückkehr nach dem Krieg. Danach verfolgt man seinen weiteren Lebensweg und lernt auch seine Familie und seine Entwicklung näher kennen.Der Roman beschäftigt sich mit Themen wie Herkunft, Familie und den Auswirkungen des Krieges. Die Geschichte wird dabei eher ruhig und teilweise sehr sachlich erzählt. Es gibt durchaus dramatische und emotionale Momente, insgesamt bleibt die Erzählweise aber eher zurückhaltend. Besonders interessant fand ich, wie sich Anton nach dem Krieg entwickelt und schließlich ein erfolgreicher Unternehmer wird. Gleichzeitig nimmt seine Arbeit immer mehr Raum ein, sodass für Familie und Freunde nur wenig Zeit bleibt. Jahre später versucht vor allem sein Sohn, sich mit diesem Vaterbild auseinanderzusetzen und herauszufinden, wer Anton eigentlich wirklich war.Die Geschichte an sich fand ich wirklich interessant und genau deshalb wollte ich das Buch auch unbedingt lesen. Schon der Klappentext hatte mich neugierig gemacht. Leider konnte mich die Umsetzung dann aber nicht ganz überzeugen.Gerade der Einstieg ist mir sehr schwergefallen. Ich bin nur langsam vorangekommen und hatte Schwierigkeiten, richtig in die Geschichte hineinzukommen. Vielleicht lag es daran, dass vieles sehr sachlich erzählt wird und mir dadurch an manchen Stellen die Emotionen gefehlt haben. Auch zu den Charakteren konnte ich leider keinen richtigen Bezug aufbauen. Für mich blieben sie insgesamt etwas blass und ich hatte niemanden, der mich besonders gepackt oder beeindruckt hat.Trotzdem fand ich es interessant, Anton und seine Familie über die vielen Jahrzehnte hinweg zu begleiten und zu sehen, was der Krieg und die Zeit danach mit ihm und seinem Leben gemacht haben. Vor allem in der zweiten Hälfte hat die Geschichte für mich dann deutlich mehr Fahrt aufgenommen. Ich bin besser hineingekommen, fand die Handlung spannender und wurde auch emotional etwas mehr erreicht. Dadurch habe ich das Buch dann auch gerne zu Ende gelesen.Insgesamt ist "Der Raum, der bleibt" für mich ein solides Buch mit einer interessanten Grundidee und einer Geschichte, die durchaus zum Nachdenken anregt. Leider hat mich die eher sachliche Erzählweise und der schwierige Einstieg aber etwas auf Abstand gehalten. Die Figuren sind für mich zu blass geblieben und gerade im ersten Teil hat mir einfach etwas gefehlt, das mich wirklich an die Geschichte bindet. Schade, denn die Geschichte hinter den Tagebüchern und die Frage, wie gut man einen Menschen, den man sein ganzes Leben lang kennt, eigentlich wirklich kennt, fand ich sehr spannend.Für mich ist "Der Raum, der bleibt" daher leider kein Highlight, auch wenn die Geschichte durchaus interessante und manche emotionale Szenen zu bieten hat.