Mit seinem 2025 im transpress Verlag erschienenen Werk Reichsbahn Vermächtnis setzt der renommierte Eisenbahn-Autor Günther Feuereisen seiner lebenslangen Leidenschaft ein Denkmal. Es ist jedoch weit mehr als ein bloßes Bilderbuch für Technikbegeisterte; es ist eine reflektierte Auseinandersetzung mit der Identität einer der prägendsten Institutionen der deutschen Geschichte.
Ein visueller Schatz, denn schon der erste Eindruck verdeutlicht, welch hochwertige Aufnahmen Feuereisen bei seinen Arbeiten in den Tiefen der Archive gefunden hat. Die er hier in brillante Farbfotografien präsentiert. Besonders die späten Jahre der Reichsbahn werden in einer Lebendigkeit gezeigt, die man selten findet. Von den majestätischen Dampflokomotiven bis hin zu den typischen Bahnhofsszenen der Nachkriegszeit, vornehmlich in den Bahnhöfen und von den Eisenbahnstrecken der DDR erstellt die Aufnahmen fangen die Atmosphäre einer vergangenen Ära perfekt ein. Die Druckqualität des transpress Verlags bringt die Nuancen der Lackierungen und die raue Ästhetik des Schienenverkehrs hervorragend zur Geltung.
Vor den dunkle Seiten des Erbes verschließt Feuereisen leider die Augen. Die historische Verantwortung der Deutschen Reichsbahn mit den Menschentransporten in die Vernichtungslager der Nazis wird von dem Autoren kaum bis gar nicht behandelt. Denn eines ist nicht zu bestreiten: ohne die logistische Präzision der Bahn wäre der Holocaust in diesem Ausmaß nicht möglich gewesen.
Reichsbahn Vermächtnis ist dennoch gelungen. Das Werk zelebriert die faszinierende Technik und den Pioniergeist. Bedauerlicherweise geht die moralische Last der Geschichte dabei unter.
Für Sammler und historisch Interessierte ist dieses Buch dennoch ein absolutes Muss, da es die Reichsbahn in ihrer ganzen, teils widersprüchlichen Komplexität zeigt. Ein würdevolles, optisch beeindruckendes und ansatzweise auch mahnendes Werk. Denn ohne den Einsatz der Dampfloks vornehmlich der Baureihen BR 38, BR 50, BR 52 (Kriegslokomotive), 55 und 57 wären weder die Transporte des Kriegsmaterials, der Truppen und auch die Judentransporte in die Vernichtungslager, besser Mordfabriken im Osten nicht möglich gewesen.