Schuld und Sühne
Grazia Deledda, eine sardische Nobelpreisträgerin hat mit diesem Werk ein wunderschönes, aber auch trauriges Bild der armen Bevölkerung in ihrem Heimatland geschaffen.Als der Knecht Efix, der ein kleines Gut verwaltet, von seinen Herrinnen, drei unverheirateten Schwestern gerufen wird, schwant im Übles. Doch die Nachricht ist eine freudige, ihr Neffe Giacinto, der Sohn der weggelaufen Schwester Lia, soll zu ihnen kommen. noch sind Ruth, Esther und Noemi uneinig, aber Efix verspricht sich um alles zu kümmern. Als endlich der junge Mann ankommt, ist nur Noemi da ihn zu empfangen, denn die anderen sind auf einem Fest. Giacinto kommt nach und wird von allen willkommen geheißen, insbesondere von den jungen Frauen, die sich Hoffnungen machen. Gefallen findet er an Grixenda und verspricht sie zu heiraten.Doch das Unheil nimmt seinen Lauf, Giacinto ist spielsüchtig und verschleudert das Geld, das er sich bei der Wucherin geliehen hat . Efix redet ihm ins Gewissen und Giacinto geht in die Stadt, um dort Geld zu verdienen.Das Leben der drei Schwestern wird indes immer mühseliger. da die Wucherin den von Giacinto gefälschten Wechsel bei Ihnen eintreiben möchte. Ihr Vetter spitzt schon lange auf das Gut, aber noch sind die Frauen nicht bereit zu verkaufen. Efix geht in die Stadt, um Giacinto an sein Heiratsversprechen zu erinnern, aber der junge Mann weigert sich.Efix versucht das Gut seiner Herrinnen zu retten und spricht mit dem Vetter, der ihm sein eigenes kleines Stück Land abkauft, worauf Efix frei wird. Nun soll er für den Vetter um Noemi werben, diese lehnt aber ab.Daraufhin begibt sich Efix mit einem blinden Bettler auf eine Reise, um seine große Sünde zu büssen und erlebt die Armut am eigenen Leib. Schlussendlich kehrt er in sein Dorf zurück, schafft es noch Giacinto und Noemi zu überreden, sich zu verheiraten und stirbt am Tag der Hochzeit von Noemi mit ihrem Vetter.Grazia Deledda schreibt in einer wunderbaren, poetischen Sprache diese traurige Geschichte des Knechtes Efix., der treu zu seinen Herrinnen hält und immer wieder aufs Neue versucht ihnen zu helfen. Dabei belastet ihn eine Todsünde, der Totschlag des Vaters der Schwestern. Seine Gewissensbisse sucht er zu sühnen, die die Autorin einfühlsam beschreibt. Ihr gelingt es meisterhaft, die harte Armut der ländlichen Bevölkerung darzustellen und ihren Personen, die sich wie Schilf im Wind verhalten, Leben einzuhauchen, sodass man direkt alles vor sich sieht.Ein Schmuckstück der sardischen Literatur, das sich zu lesen lohnt!