Pinò ist aus anderem Holz. Einst gewesen, und aus anderem Holz als sein sogenannter Bruder, der berühmte Pinocchio. Die einstige Holzpuppe ist 25 Jahre alt und pflegt in diesem Roman, der in den 1980-er Jahren spielt, seinen alten, kranken Vater, der bei einem Erdrutsch mit einem alten Friedhof ins Meer stürzt und irreparable Gehirnschäden davonträgt.. Pinò ist ein besonderer junger Erwachsener. Er leidet allerdings auch unter seiner Andersartigkeit, der Angst aufzufliegen, der falschen Identität, die sein schweigsamer, unberechenbarer Vater ihm auferlegt hat. Nach dem Unfall seines Vater will er die schwarzen Löcher seiner Familiengeschichte beleuchten und reist in das Dorf, in dem sein Vater 12 Jahre gelebt hat, und an den er immer wieder zurückkehrte. Alleine. Ein mutiger Schritt, der viel Schmerz hervorbringt, der ihn neue echte und falsche Freunde finden lässt und ihn grundlegend verändert.Wer kennt nicht die Geschichten von Pinocchio, der kleinen Holzpuppe, die Abenteuer erlebt. Als Kind völlig unkritisch konsumiert, erstaunt mich nun der durchaus anspruchsvolle Hintergrund: Schriftsteller Collodi schrieb 1881 eine Geschichte der Sozialisation und Anpassung (Quelle Wikipedia). Sozialisation und Anpassung sind auch in Musios Roman wichtige Themen, ebenso wie Loyalität, Familie, Zusammenhalt. Er thematisiert hier den Zusammenbruch des Vaters, der den Verlust seiner Frau nie überwindet, dann seinen Sohn verliert, und fortan nicht mehr derjenige ist, der er einst war. Der sich einen Ersatzsohn aus Holz bastelt, der durch die machtvollen Statue, Torchina, zum Leben erweckt wurde und die Pinòs Handeln mit strafenden Blicken und blutigen Tränen verurteilt, als dieser mit seinem nun hilflosen Vater an diesen Schicksalsort zurückreist.Ich liebe diese moderne Interpretation des Klassikers, und würde Musio eine Fortsetzung schreiben, würde ich diese lesen wollen!