Kafka verlangt Geduld. Nicht die Sorte Geduld, die man beim Warten auf Kaffee aufbringt, sondern die, bei der man überlegt, ob man selbst im falschen Dorf gelandet ist. K. kommt an, will seinen Job machen, eine Unterkunft finden und Zugang zum Schloss bekommen. Klingt machbar. Bei Kafka natürlich nicht. Jede Antwort wirft neue Fragen auf und jeder Schritt nach vorn fühlt sich nach zwei zurück an.
Faszinierend ist diese Mischung aus Behördenwahnsinn, Bedrohung und trockenem Humor. Manchmal musste ich schmunzeln, manchmal wollte ich K. einfach packen und sagen: Junge, lass es gut sein. Gleichzeitig steckt in dieser vergeblichen Suche etwas erstaunlich Menschliches. Dieses Bedürfnis, irgendwo dazuzugehören, ernst genommen zu werden und endlich eine klare Antwort zu bekommen, kennt vermutlich jeder.
Die kommentierte Ausgabe von Reiner Stach macht die Lektüre noch spannender. Kommentare, gestrichene Passagen und Einblicke in Kafkas Arbeitsweise zeigen, wie präzise dieses Chaos gebaut ist. Trotzdem bleibt das Buch fordernd und das unvollendete Ende ist ein kleiner Tritt vors Schienbein.
Kein Buch für nebenbei, aber eines, das im Kopf bleibt. Genau darin liegt für mich seine Stärke.