Fiktion oder Wirklichkeit?Ich bin schon immer fasziniert vom Meer. Der Ruhe und die gleichzeitige Wildheit. Und als ich das Cover mit dem Leuchtturm und den Wellen gesehen habe, wollte ich es unbedingt lesen. Ich habe eigentlich gar keine Erwartungen gehabt, doch hat mich das Buch direkt in den Bann gezogen. Es ist ein beklemmender Schauerroman, der bei mir vor allem durch seine Atmosphäre für Gänsehaut gesorgt hat.Im Mittelpunkt steht der Psychiater Edward Pierce, der in den 1920er Jahren traumatisierte Kriegsveteranen behandelt. Als dann David Bradley bei ihm landet, beginnt eine Geschichte, die immer tiefer in Wahnsinn, Schuld und verdrängte Erinnerungen führt. Bradley war auf dem abgelegenen Leuchtturm Goliaths Auge, wo er etwas erlebt hat, das ihn bis heute verfolgt. Seine Tagebucheinträge lassen nach und nach erahnen, was dort geschehen ist.Besonders gelungen fand ich die Stimmung. Schon die Beschreibungen der Anstalt und vom Alltag dort war ich direkt begeistert. Ich muss sagen, ich wäre gern länger dort geblieben. Dann das Meer, die Einsamkeit, der Sturm und der unheimliche Leuchtturm erzeugen eine ständige Bedrohung. Dazu kommen verstörende Tagebucheinträge, ein grausamer früherer Leuchtturmwärter und Figuren, bei denen ich nie ganz sicher war, was Wahrheit und was Wahn ist.Dabei geht es jedoch nicht nur um Grusel. Der Roman beschäftigt sich auch mit den seelischen Folgen des Krieges und der Frage, wie die Schuld einen Menschen verändern kann. Gerade die psychologische Ebene hat mir sehr gut gefallen, doch hatte ich selbst manchmal das Gefühl beim Lesen nicht mehr zu wissen, was noch echt ist und was in der Vorstellung mancher Figuren passiert.Sprachlich ist das Buch ungewöhnlich und teilweise altmodisch. Das passt für mich jedoch perfekt zur Geschichte. Das Ende hat mich überrascht und noch eine Weile beschäftigt. ISBN: 978-3866487581 Autor: Diego MuzzioVerlag: mareET: 23.07.26 Umfang: 205 Seiten