Durch den historischen Roman Forster in Mainz von Friedrich Döppe (1922-1987) wurde ich bereits in meiner Jugend auf den Naturforscher und Reiseschriftsteller Georg Forster (1754-1794) aufmerksam. Nun die umfangreiche Biografie der Historikerin Andrea Wulf, die die zu Unrecht vergessene Lebensgeschichte von Forster wieder lebendig werden lässt.
Georg Forster war der Sohn des Naturforschers und reformierten Pastors Johann Forster. Beide (Georg mit 17 Jahren) nahmen an der zweiten Weltumsegelung von James Cook teil. Die Expedition machte an zahlreichen Inseln im Pazifik Station und schrieb Geschichte, indem sie zweimal den südlichen Polarkreis überquerte. Georgs Reisebericht A Voyage Round the World (1777) begründete seinen europaweiten Ruhm und die moderne wissenschaftliche Reiseliteratur. Im Anschluss nahm er verschiedene akademische Tätigkeiten in Europa wahr, bevor er 1788 in Mainz, nahe der französischen Grenze, sesshaft wurde.
In diesen Jahren schloss Forster Freundschaft mit einigen der führenden Denker der Aufklärung darunter Johann Gottfried Herder, Georg Christoph Lichtenberg und Alexander von Humboldt. Er brachte unmissverständlich seine Ablehnung von Sklaverei, Enteignung und anderen Formen der Ausbeutung zum Ausdruck. Im März 1793 wurde Mainz zur Republik ausgerufen sie gilt weithin als der erste demokratische Staat auf deutschem Boden. Doch die Stadt wurde belagert und fiel. Forster hielt sich bei der Einnahme von Mainz in Frankreich auf; seine Gesundheit war jedoch schon lange angeschlagen, und er starb im Januar 1794 im Alter von nur 39 Jahren in Paris.
Die Autorin beschreibt aber nicht nur die Ideen und politischen Ansichten von Forster, sondern auch dessen Privatleben. Diese zwischenmenschlichen Beziehungen ergänzen die Schilderung des Lebensweges. Fazit: Eine sehr interessante und empfehlenswerte Biographie.