Muss
Meiner Meinung nach ist dieses Buch ein absolutes Pflichtwerk - eines, das gerne auch in Schulen behandelt werden sollte.Es zeigt eindrücklich, wie das Denken eines Individuums durch die Zugehörigkeit zu einer Masse beeinflusst werden kann. Jeder Mensch weiß, wie wichtig Gemeinschaft ist. Natürlich geht man im Leben auch manchmal eigene Wege - ich würde mich selbst teilweise dazu zählen. Dennoch kann ein Mensch ohne soziale Kontakte psychisch krank werden.Dieses Buch macht jedoch deutlich, was passieren kann, wenn man aufhört, sich über sich selbst zu definieren, und sich nur noch über die Gruppe identifiziert, der man angehört.Viele der bekanntesten und zugleich grausamsten Diktatoren der Geschichte haben sich mit solchen Mechanismen beschäftigt - auch wenn dieses Buch keineswegs als Anleitung gedacht ist, um Massen zu manipulieren. Im Gegenteil: Es zeigt, wie - wie schon der Titel andeutet - die Psychologie innerhalb einer Masse funktioniert.Anhand erschreckender Beispiele, unter anderem aus dem 19. Jahrhundert, wird deutlich, wie Menschen fernab von gesundem Menschenverstand bereit sind, Unschuldige hinrichten zu lassen - und dabei noch glauben, etwas Gutes zu tun. Sie schenken Aussagen Glauben, ohne sie zu hinterfragen, und wählen oft den einfacheren Weg, anstatt kritisch zu prüfen, ob das Geschehen überhaupt gerechtfertigt ist.Eine Passage werde ich nicht vergessen: Es wird beschrieben, wie Frauen Bänke zurechtrücken, um bei einer Hinrichtung besser sehen zu können. In solchen Momenten fehlt jegliches Schuldbewusstsein, weil die Menschen so stark indoktriniert sind, dass sie sich selbst für die "Guten" halten.Man muss dabei auch an das antike Rom und das Kolosseum denken. Dort war es fast schon eine Familienaktivität, Kämpfe und Hinrichtungen zu beobachten - und danach gemeinsam essen zu gehen. Gleichzeitig sahen sich viele dieser Menschen selbst als moralisch gut.So sehr kann die Wahrnehmung eines Menschen verzerrt werden, wenn die richtigen Einflüsse wirken. Genau hier setzt dieses Buch an: Es regt dazu an, eigene Entscheidungen zu hinterfragen.Gemeinschaft ist wichtig - aber nicht um jeden Preis.