Siku wächst gemeinsam mit seinem Bruder Hanta im Rudel auf und lernt alles, was ein Schlittenhund können muss. Sein Ziel ist es, später als Leithund den Schlitten des Jungen Anik zu führen. Die Hunde sind eng mit den Menschen verbunden und für deren Leben in der Arktis unverzichtbar. Doch als die weißen Männer auftauchen, verändert sich das Leben der Inuit und ihrer Hunde grundlegend.
Ich bin mit einer ziemlich anderen Erwartung an das Buch herangegangen. Bei einem Kinderbuch über Schlittenhunde in der Arktis hatte ich zunächst ein spannendes Abenteuer mit Hunden vor Augen. Tatsächlich ist die Geschichte viel stärker historisch geprägt. Es geht um das Leben der Inuit, ihre Verbindung zu den Qimmiit, die Jagd, die schwierigen Lebensbedingungen und die Veränderungen, die durch die weißen Männer in ihr Leben gebracht werden. Die Geschichte der Kanadischen Inuithunde steht dabei klar im Mittelpunkt.
Interessant fand ich die Informationen über die Qimmiit. Für die Inuit waren diese Hunde keine Haustiere im heutigen Sinn, sondern ein wichtiger Teil ihres Lebens. Sie halfen dabei, weite Strecken zurückzulegen und unter den schwierigen Bedingungen der Arktis zu überleben. Einerseits wird aufgezeigt, wie hart das Leben der Hunde war, sie mussten schwere Schlitten ziehen und unter extremen Bedingungen zurechtkommen. Andererseits wird aus der Sicht von Siku deutlich, dass diese Arbeit für ihn nicht nur eine Belastung ist. Das Laufen im Gespann, die Bewegung und die gemeinsame Aufgabe bedeuten ihm etwas. Diese Verbindung fand ich interessant, weil das Buch beide Seiten zeigt und die harte Arbeit der Hunde nicht einfach als etwas Negatives darstellt.
Überhaupt habe ich beim Lesen gemerkt, wie eng die Geschichte der Inuit und die Geschichte ihrer Hunde miteinander verbunden sind. Die Hunde sichern das Überleben der Menschen, gleichzeitig sind auch sie von den Menschen abhängig. Dieser Pakt bekommt dadurch eine ganz andere Bedeutung, als ich zunächst erwartet hatte.
Emotional wurde die Geschichte für mich allerdings immer schwerer. Die Ankunft der "weißen Männer" bringt massive Veränderungen für die Inuit. Sie sollen ihre bisherige Lebensweise aufgeben und werden gezwungen, unter Bedingungen zu leben, die ihnen von außen vorgegeben werden. Auch für die Hunde bedeutet das einen tiefen Einschnitt. Sie dürfen nicht mehr so leben wie bisher und verlieren ihre Freiheit. Die Angst und Hilflosigkeit von Anik und seinen Eltern konnte ich beim Lesen gut nachempfinden.
Dazu kommt die harte Darstellung des Lebens in der Arktis. Die Jagd auf Robben und Polarfüchse gehört ebenso zur Geschichte wie die unfassbare Gewalt, die später den Hunden widerfährt. Das Buch beschönigt diese Seite nicht, da sie historisch ist. Mir ging das Schicksal der Hunde sehr nahe.
Ich sehe daher die Geschichte, für das vom Verlag angesetzte Alter ab acht Jahren, kritisch. Das Buch handelt von Unterdrückung, den Verlust der bisherigen Lebensweise, Jagd, schwere Lebensbedingungen und Gewalt gegen Tiere. Auch die historischen Zusammenhänge sind nicht ganz einfach. Ich könnte mir vorstellen, dass jüngere Kinder die Handlung verfolgen und mit Siku und Anik mitfühlen können, die Hintergründe aber noch nicht vollständig einordnen.
Mein Sohn ist neun Jahre alt und liebt Hunde sehr. Ich hatte ihm das Buch ursprünglich als Abenteuer über Schlittenhunde in der Arktis vorgestellt. Nach dem Lesen des gesamten Buches bin ich mir nicht sicher, ob ich es ihm weitergeben würde. Zum Glück hatte er bisher nur ungefähr ein Viertel eigenstandig gelesen. Für ihn wären einige der späteren Ereignisse vermutlich sehr schwer zu verkraften. Im Nachhinein hätte ich ihm dieses Buch deshalb eher nicht zum Lesen gegeben.
Für ältere Kinder, die sich bereits mit historischen Themen auseinandersetzen können und auch mit schwierigen Tiergeschichten zurechtkommen, sehe ich das anders. Die Geschichte hat mich emotional erreicht und gleichzeitig einiges über die Kanadischen Inuithunde und das Leben der Inuit vermittelt. Im Nachwort wird außerdem erklärt, wie gefährdet diese besondere Hunderasse heute ist und dass gezielte Zuchtprogramme dazu beigetragen haben, dass es wieder einige hundert Exemplare gibt. Auch dass die Hunde weiterhin Teil der Inuitkultur sind, fand ich interessant.
Für mich ist es deshalb kein gewöhnliches Tierabenteuer, sondern eine deutlich ernstere Geschichte über eine besondere Hunderasse und die Menschen, deren Leben über Jahrhunderte eng mit ihr verbunden war. Ich fand das Buch spannend und informativ, hätte mir für die Altersgruppe ab acht Jahren aber einen deutlicheren Hinweis auf die teilweise sehr belastenden Inhalte gewünscht.
Fazit:
Eine spannende und bewegende Geschichte über die Kanadischen Inuithunde, die mir allerdings deutlich härter erschien, als ich aufgrund der Altersangabe und meiner ursprünglichen Vorstellung von einem Hundeabenteuer erwartet hatte. Die historische Grundlage macht die Geschichte interessant, gleichzeitig sind einige Szenen für jüngere und besonders für sehr tierliebe Kinder meiner Meinung nach schwer zu verkraften.