Manche Bücher erzählen eine Geschichte. Dieses hier öffnet eine Tür und lässt einen stehen. Anne Goscinny schreibt ihrem Vater nach Jahrzehnten einen Brief und macht aus Verlust etwas Zartes.
Besonders stark fand ich die Perspektive auf die neunjährige Anne. Da ist dieses kindliche Unverständnis, das nicht begreifen kann, was tot eigentlich bedeutet. Die erwachsene Anne schaut zurück und versucht, aus Erinnerungen und kleinen Momenten ein Bild von ihrem Vater festzuhalten. Genau darin liegt für mich die Stärke des Buches.
Dabei wird es nie zum großen Trauerhammer. Es gibt Wehmut, Wärme, feinen Humor und diese leisen Beobachtungen, die einem länger im Kopf bleiben. Man spürt, dass hier nicht einfach die Tochter eines berühmten Mannes über einen berühmten Mann schreibt, sondern eine Tochter über ihren Papa. Und plötzlich ist René Goscinny nicht nur der Name hinter Asterix und dem kleinen Nick, sondern ein Mensch mit Stimme, Schlüsselbund und Familienmomenten.
80 Seiten sind schnell gelesen, emotional bleibt viel mehr hängen. Ein stilles, persönliches Erinnerungsbuch über Verlust, Liebe und die Frage, wie man mit jemandem weiterlebt, der längst nicht mehr da ist.