| Rezensionsexemplar |
Mit King of the Moth hatte mich Rachel Gillig mit einer völlig neuen Fantasywelt restlos überzeugt. Eine Welt, die mit unglaublich viel Liebe zum Detail erschaffen wurde.
Natürlich musste ich wissen, wie es weitergeht, und habe mich sehr gefreut als ich The Knave and the Moon von NetGalley als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen habe.
Tja. Was soll ich sagen?
Band 2 hat mich leider fast in eine Leseflaute befördert.
Ich bin nur schwer ins Buch reingekommen und die Leichtigkeit, die mich in Band 1 so mitgerissen hat, war weg. Mein Lieblings-Gargoyle war über weite Strecken nicht präsent genug, der Mittelteil hat sich für mich unglaublich gezogen und irgendwann habe ich mehr überblättert als gelesen. Ich bin dann sogar zum Hörbuch gewechselt. Nicht unbedingt das, was ich bei einer Fantasygeschichte erleben möchte und was ich nach Band 1 auch nicht erwartet habe.
Zum Ende hin wurde es noch einmal tiefgründiger und die Geschichte hat eine wertvolle Botschaft vermittelt. Trotzdem fehlte mir dieser Sog, der mich in Band 1 durch die Seiten fliegen ließ. Die Ideen, die Überraschungen und dieses Gefühl, unbedingt wissen zu müssen, was als Nächstes passiert, bis 3 Uhr nachts lesen, das Buch nicht aus der Hand legen zu können
Auch das Ende hat für mich zu viele Fragen offengelassen. Ich hätte mir hier einfach einen runderen Abschluss gewünscht.
Was ich der Dilogie allerdings zugutehalten muss: Beide Bände transportieren wichtige Botschaften.
Geht es in Band 1 vor allem um den Einfluss von Religion auf Menschen und darum, wie ein Machtvakuum zur Manipulation genutzt werden kann, widmet sich Band 2 einer anderen Form der Erschütterung: der absoluten Desillusionierung jener Menschen, die sich immer für das Gute eingesetzt haben und dabei ihr Vertrauen verlieren. Darauf hat uns Rachel Gillig schon in der Widmung vorbereitet:
»Für jene, die auf die Welt blicken und verzweifeln. Ich verspreche, es gibt immer noch Hoffnung zu finden. Liebe aufzubringen. Es muss so sein.«
Was passiert, wenn man für das Richtige kämpft und irgendwann nicht mehr weiß, ob sich das überhaupt noch lohnt?
Gerade die Botschaft von Band 2 fand ich zum Ende hin doch wertvoll. Sie erinnert daran, dass Hoffnung nicht einfach verschwindet, nur weil man selbst gerade nicht mehr dran glaubt.
Mein Lieblingszitat:
»Du glaubst, alles ist entsetzlich und hoffnungslos und zu schwer, um es zu ertragen? Ich kann nichts dagegen tun, wenn du das denkst. Aber frag dich einmal, was du glaubtest, bevor du dir diese Lüge erzählt hast, und dann siehst du vielleicht, dass das noch nicht alles ist. Dass das Leben, so erbärmlich du es nennen magst, von größerer Bedeutung ist, als dein eingeschränkter Blick wahrnehmen kann.«
Mein Fazit: Eine tolle Dilogie mit einer außergewöhnlichen Fantasywelt und wertvollen Botschaften. Allerdings konnte The Knave and the Moon für mich das Niveau seines Vorgängers nicht halten. Während Band 1 mich vollkommen in seinen Bann gezogen hat, musste ich mich durch Band 2 stellenweise regelrecht durchkämpfen.
Schade, denn das Potenzial war definitiv da.