Maggie wacht eines Morgens in ihrem Lieblingsbuch auf, nackt und frierend muss sie sich in einer brutalen Fantasywelt zurechtfinden. Zum Glück kennt sie die wichtigsten Charaktere und den Plot, doch was passiert, wenn sie sich in die Geschichte einmischt? Und sollte sie es überhaupt?
Kair Toren erinnert an eine Stadt des Mittelalter mit seiner einfachen Lebensweise und den teilweise sehr brutalen Bestrafungen. Insgesamt sollte man sich bewusst sein, dass es zwar nicht viele gewalttätige Szenen gibt, diese haben es dafür aber in sich. Das Land wird von den acht Großen Familien regiert, die sich vor allem durch ihr Intrigenspiel auszeichnen, trotzdem gibt es bereits Ansätze von Gewaltenteilung und moderneren Regierungsformen. Das gesamte Worldbuildung ist komplex und fantasievoll gestaltet. Es gibt verschiedene Formen von Magie, fantastische Tiere und sogar andere Monde am Himmel.
Maggie landet nun splitterfasernackt in dieser Welt und muss erst einmal klar kommen. Das sehr gute Wissen über die Fantasyreihe hilft ihr sicher sich schneller in die neue Welt einzuleben, man muss aber ehrlich zugeben, dass sie teilweise schon sehr abgebrüht vorgegangen ist. Ich glaube nicht, dass es viele Personen gibt, die ihre Erfahrungen machen würden und sich dann einfach mit der Situation arrangieren. Doch auch wenn sie für mich nicht immer glaubwürdig war, mochte ich Maggie. Sie hat einen schwarzen Sinn für und Humor und lässt sich einfach nicht unterkriegen. Sie versucht den Plot des ihr bekannten Fantasybuchs zu ändern, da ihr der Ausgang des Originals nicht gefiel und sie sich für ihre Lieblingscharaktere ein besseres Ende wünscht. Dabei lässt sie sich auch nicht davon abhalten, wenn der Originalplot zurückschlägt. Während Maggie mich immer gut unterhalten hat, war es bei den männlichen Charakteren anders: sie sehen alle aus wie Schauspieler, lassen den dominanten Beschützer raushängen und sind die besten Kämpfer ihres Metiers, wenn auch meist mit einer dunklen Vergangenheit. Bei den Guten scheint die Autorin nur Haarfarbe und Name ausgetauscht zu haben, ansonsten gibt es kaum einen Unterschied. Auch sollte man sich darüber im Klaren sein, dass der Fantasy-Plot und die Rettung von Kair Toren im Vordergrund stehen, die Lovestory ist wirklich slow burn.
Die Story ist komplex und hat eine Vielzahl an Charakteren, sodass ich sehr dankbar für das Glossar am Ende war. Anfangs fiel es mir sehr schwer die vielen Großen Familien und ihre Verbindungen auseinander zu halten. Und obwohl es der Anfang einer Trilogie sein soll und bereits der erste Band über 700 Seiten hat, kam für mich einiges zu kurz. Es war einfach zu komplex, zu viel gewollt und die Bedeutung von einigen Szenen haben sich mir nicht ganz erschlossen. Ich hoffe, dass es sich in den folgenden Bänden aufklärt, ansonsten wäre es mir lieber gewesen, wenn man das Zwischenmenschliche und das Ende des Romans etwas ausführlicher behandelt hätte. So kam es sehr abrupt und es fehlte er der Spannungsaufbau.
Insgesamt eine geniale Idee, ein wunderschönes Buch und eine sehr unterhaltsame Protagonistin, aber leider mit ein paar Schwachstellen. Der Love Interest hat mich nicht überzeugt und auch das Ende ging mir zu schnell. Ich würde es aber jedem empfehlen, der am Mittelalter orientierte Fantasie mit all seiner Brutalität und seinen Intrigen zu schätzen weiß, sowie Interesse an einem etwas anderen Plot hat.