Das Buch hat mich nicht angezogen, weil ein verfluchtes Cottagecore-Haus darin vorkommt, eine Mehrgenerationen-Familiengeschichte erzählt wird oder weil es einen schönen Farbschnitt hat. Das Buch hat mich angezogen, weil die Kapitel nach Tarotkarten benannt sind. Das hat mich neugierig gemacht, weil ich mich selbst sehr gerne mit dem Thema beschäftige und auch Tarot lege. Und Fantasy ist schließlich immer gut.
Im Roman geht es um ein verzaubertes Haus in einer amerikanischen Kleinstadt, ich habe gerade den Namen vergessen und bin zu faul nachzuschauen (Burdock Creek oder so). Es geht um zwei Schwestern, Evie und Florence Caldwell, die in dem cosy anmutenden Anwesen namens Honeysuckle House aufgewachsen sind. Das Haus heißt so, weil es schon von Generationen von Hexen bewohnt wurde, die Bienen züchten und mit deren Wachs verzauberte Kerzen herstellen (Die Bienen, die auch in den Kapitel als Mini-Grafik abgebildet sind, sind quasi das Leitmotiv). So auch Evie, die mit ihrer siebenjährigen Tochter Clara im Honeysuckle House wohnt. Ihre Schwester hingegen hat ihrem Elternhaus vor vielen Jahren den Rücken gekehrt - das Problem: Jedes dreizehnte Jahr am 13. Oktober seit 1947 starben Angehörige der beiden Hexen (die zum Zeitpunkt der Handlung in ihren Dreißigern sind) in und wegen dem Gebäude. Die meisten Unfälle passieren im Haushalt? Naja, im Honeysuckle House passieren schon ziemlich viele schräge Unfälle und zwar immer in genau demselben Abstand
Während Evie der Meinung ist, das Haus und die mit ihm verknüpften Personen durch ihre Magie vor dem vermeintlichen Fluch zu beschützen, hat Florence der Magie entsagt. Wir lernen nun nach und nach die Geschichte aller Bewohner*innen kennen, wobei auf die von den anderen Schwestern Regina und Violet am ausführlichsten eingegangen wird. Regina war die Großmutter von den Caldwell-Schwestern. Hat sie es zu verantworten, dass der Fluch überhaupt zugeschlagen hat?
Das herbstliche Setting des verzauberten Hauses und des Buchladens, der sozusagen die Nebenrolle spielt, hat mir sehr gut gefallen. Wobei es schon gewöhnungsbedürftig war, dass das Buch quasi als eigene Person auftritt, mit menschlichen Gefühlen, etc. Die Tarotkarten wurden quasi als Gliederung sehr aufschlussreich eingeflochten. Sie passen auch perfekt zur Handlung des jeweiligen Kapitels. Wer sich mit dem Rider-Waite-Smith auskennt, wird hier viele Easter Eggs finden.
Dass queere Liebesgeschichten sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwartshandlung eingewoben wurden, ist mehr als begrüßenswert und gibt dem Ganzen einen besonderen Twist. Wobei ich die Vergangenheitsliebe zwischen Tillie und Violet sehr intensiv dargestellt fand, die beiden Gegenwartslieben zwischen Florence und Cole (so heißt er glaub ich - er war nicht sehr beeindruckend) sowie Evie und Angela waren davon nur ein müder Abklatsch und dienten halt dazu, dass es in der Gegenwart auch Aussicht auf ein Happy End in der Zweisamkeit gibt.
Alles in allem ein schöner herbstlicher Schmöker mit ein paar Längen und ein bisschen too much personifiziertem Haus für meinen Geschmack. Ansonsten lesenswert.