Habe ich wahnsinnig gern gelesen, trotz einiger Klischees. Aber das Rührende und Berührende, das Überraschende und Witzige - das überwog!
Leonard hat sich früh gelöst vom kleinbürgerlichen Milieu seiner Kindertage. Das Miefige, Piefige des Niederrheins hat ihn so genervt , dass er sich schon in jungen Jahren, bald nach dem Zivildienst, nach Berlin absetzte, wo er als Dramaturg am Theater erfolgreich war.Doch jetzt gibt es eine Krise und mitten in diese platzt ein Brief seiner Mutter, in dem es um ein Haus geht, das zum Verkauf steht. Ein ganz bestimmtes, das die Zivis damals als "Vogelhaus" bezeichneten, weil sie darin Papageien füttern mussten - ein zusätzliches Problem zum ohnehin sperrigen Bewohner. Und es war dort sehr geheimnisvoll, er konnte es nie vergessen. Aber das ist nicht das Einzige, da ist auch einiges andere aus der Zeit des Zivildienstes, das aufgearbeitet werden muss, findet er.Die Handlung erfolgt auf zwei Zeitebenen: in der literarischen Gegenwart, die nicht allzuweit entfernt ist von unserer tatsächlichen und während Leonards Zivildienst. Er war der Letzte an seinem Ort, dann wurde die Wehrpflicht und damit der Zivildienst abgeschafft, also in den frühen 2010er Jahren.Wir Leser erleben Leonard auf der Suche nach etwas nicht Greifbarem und in der Begegnung mit vielem was er nicht versteht, ablehnt, zu verstehen oder gar zu mögen lernt.Erst ziemlich zum Schluss erkennt Leonard, dass es eigentlich nicht in der Hauptsache der Hauskauf war, der ihn zurück in die Kleinbürgerlichkeit des Niederrheins zog. Nein, es war ein ganz bestimmter Mensch, eine Person, von der ihm nicht klar war, wie sehr ihm diese in all den Jahren in der Hauptstadt gefehlt hat. Doch ohne das Thema Hauskauf wäre es nicht dazu gekommen. Aber kann er tatsächlich zu ihr zurückfinden?Letztendlich ist dies die Darstellung eines Menschen auf der Suche nach sich selbst.