Die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr hat seit jeher eine ganz eigene, geradezu magische Faszination. Mit dem Bilderbuch Unsere zauberhaften Rauhnächte laden Christine Dohler und Sara Fandrey Familien mit Kindern ab 4 Jahren ein, diese Tage voller Ruhe und Besinnlichkeit gemeinsam zu entdecken. Die Grundidee, dieses alte Brauchtum für die Kleinsten aufzubereiten, klingt wunderschön und verspricht eine gemütliche Familienzeit. Beim gemeinsamen Lesen zeigt sich allerdings schnell, dass das Buch an einigen Stellen leider sehr an der Oberfläche bleibt und viele Chancen ungenutzt lässt.
Die Illustrationen von Sara Fandrey fangen mit ihren sanften Tönen und liebevollen Details die winterliche Atmosphäre wunderbar ein. Auch die Grundstimmung rund um die Geschwister Ida und Tim, die zusammen mit ihren Eltern und der Großmutter das alte Jahr verabschieden, wirkt warm und einladend. Doch als durchgehende Geschichte funktioniert der Text nur bedingt. Er fühlt sich eher wie eine lose Aneinanderreihung einzelner Szenen an.
Beim Lesen wird deutlich, dass hier ein aktuell sehr beliebtes Thema aufgegriffen wurde. Die Rauhnächte erleben bei Erwachsenen seit einiger Zeit ein riesiges Comeback, und genau diesen Zeitgeist soll das Bilderbuch bedienen. Leider wird die Geschichte jedoch nicht mit der nötigen inhaltlichen Tiefe gefüllt. Statt Kindern echtes, greifbares Wissen über die ursprünglichen Traditionen zu vermitteln, setzt die Autorin auf moderne, teils beliebige Elemente. So taucht zum Beispiel urplötzlich die Elfe Njóla auf, aus Island. Warum eine isländische Elfe durch deutsche Rauhnächte führt, erschließt sich nicht wirklich und bringt für Vierjährige eher Verwirrung als Magie. Auch der Name Njóla ist für kleine Kinder kaum flüssig auszusprechen. Ähnlich verhält es sich mit den eingebetteten Text-Boxen zum Elfen-Geheimwissen oder den magischen Karten und Symbolen. Das wirkt alles nett gemeint, wird im Buch aber an keiner Stelle weiter erklärt oder mit Sinn gefüllt.
Ein echtes Highlight, das bei den Kindern hängen bleibt, gibt es aber glücklicherweise doch: Das Ritual mit dem Wunschglas. Die Kinder schreiben dabei dreizehn Wünsche für das neue Jahr auf, stecken sie in Marmeladengläser und verbrennen an jedem Tag einen Zettel, um die Asche später im Garten zu vergraben. Das ist ein schöner, verständlicher und wunderbar symbolischer Akt, den Kinder sofort begreifen und aktiv mitgestalten können.
Unterm Strich ist Unsere zauberhaften Rauhnächte ein schön gestaltetes Bilderbuch, das als Inspiration für die Rauhnächte dienen kann. Leider werden für meinen Geschmack etwas zu wenige Bräuche und Hintergründe dieser besonderen Zeit erklärt, wie wir sie in Deutschlang mit unserem eigenen Brauchtum verbringen. Sicherlich mit regionalen Unterschieden. Aber eine isländische Elfe ist meines Erachtens überflüssig. Außer dem Wunschglas-Ritual nehmen die Kleinen aus der Geschichte leider wenig mit.