In ihrem Debütroman "Frag nach Susan" beschreibt die laotisch-kanadische Autorin Souvankham Thammavongsa einen ganz normalen Arbeitstag in einem Nagelstudio einer nordamerikanischen Stadt.
Die 41-jährige ehemalige Boxerin Ning betreibt seit fünf Jahren das Nagelstudio Susan's, in dem sie vier junge Frauen beschäftigt. Sie alle sind schwarz gekleidet und etwa gleich groß, ihre Haare haben die gleiche Länge. Keine der Kundinnen kennt ihre Namen, da sie alle ein Namensschild mit der Aufschrift "Susan" tragen.
Es ist ein heißer Tag, an dem wir Ning und ihren Mitarbeiterinnen beim Feilen, Zupfen und Lacken über die Schulter schauen. Bevor sie mit ihrer Arbeit beginnen, lassen sie ihre Kundinnen stets einen passenden Nagellack auswählen. Den ganzen Tag über sprechen sie untereinander in ihrer Muttersprache und haben keinerlei Scheu, während der Maniküre und Pediküre sarkastische Kommentare über die meist weiblichen Kunden abzugeben oder Witze über sie zu machen.
Der Roman ist aus der Perspektive der Ich-Erzählerin Ning geschrieben und lässt uns eintauchen in ihre Gedankenwelt. Während Ning ihre Mitarbeiterinnen und die Kundinnen genau beobachtet, denkt sie zurück an die Zeit, als sie noch im aktiven Boxsport tätig war. Sie denkt auch an ihren Coach zurück, der sie lehrte, beim Boxen stets ein wachsames Auge zu haben. Diese Wachsamkeit hat sie sich bewahrt, nichts entgeht ihr, sie hat auch in ihrem Geschäft alles unter Kontrolle. Ning liebt ihre Arbeit, sie wohnt direkt über dem Nagelstudio in einem kleinen Appartement und macht nie Urlaub. Während sie ihren Kundinnen freundlich begegnet, verhält sie sich ihren Mitarbeiterinnen gegenüber eher kalt und distanziert. Das traurige Ende ihrer Boxkarriere belastet sie noch immer, nur selten zeigt sie ihre weiche und empathische Seite.
Ich fand es interessant, Nings Arbeitstag und den ihrer Mitarbeiterinnen zu beobachten. Dass die Susans über ihre Kunden in deren Anwesenheit lästern, fand ich respektlos und hat mir keine von ihnen sympathisch gemacht.
Insgesamt habe ich den gesellschaftskritischen Roman, der in schöner Sprache geschrieben ist, gern gelesen und mich gut unterhalten gefühlt. Er behandelt nicht nur Themen wie Rassismus, Migration und das Gefühl der Zusammengehörigkeit, sondern auch die Art und Weise, wie die Kunden mit den Mitarbeiterinnen umgehen. Besonders gut gefallen hat mir das schöne und überraschende Ende des Buches.
Leseempfehlung für dieses gelungene Debüt!