Mir zu langatmig mit klischeehaftem Ermittler
"Stadt der Schatten" von Aro Sáinz de la Maza ist ein spanischer Krimi, den ich als Hörbuch gehört habe. Das Hörbuch hat einen Umfang von ca. 20 Stunden, ist somit also ein eher umfangreiches Buch, was letztendlich unter anderem auch dazu geführt hat, dass es mich nicht ganz überzeugt hat.Vorweg aber das Positive: die Thematik an sich ist sehr interessant und behandelt auch einige spannende gesellschaftliche Themen wie z.B. Enteignungen im Rahmen der Olympischen Spiele in Barcelona.Ebenfalls überzeugend ist der eigentliche Kriminalfall, die Geschichte ist außergewöhnlich und gut durchdacht und keine 08/15 Krimikost. Warum nun hat mir das Buch trotzdem nicht besonders gut gefallen? Erstens fand ich es dann doch etwas zu ausschweifend und langatmig umgesetzt, der eigentlich Kriminalfall scheint insgesamt gesehen nur ca 1/3 des Buches überhaupt im Mittelpunkt zu stehen und vor allem am Anfang kreisen die Ermittler um sich selbst und sind mehr mit privaten Krisen oder politischen Geplänkeln beschäftigt, als sich mal um den Fall zu kümmern, dazu schweift das Buch auch noch immer wieder in architektonische oder geschichtliche Randthemen ab.Der zweite Grund warum mich das Buch nicht ganz überzeugt hat, ist dass der Ermittler Milo Malart selbst für das Konzept des "Leidenden Ermittlers" schon harter Tobak ist, selbst Kurt Wallander könnte man im Vergleich als geradezu lebensfroh beschreiben. Nicht nur hat Milo natürlich eine schwere Krise erlitten, potentielle psychische Probleme, dazu behandelt er auch noch alle anderen Kollegen und Zeugen schlecht und trotzdem möchte die junge Polizeianwärterin natürlich sofort mit ihm ins Bett springen (dafür geht es ihm natürlich doch nicht zu schlecht). An dem Punkt habe ich nachgesehen ob der Autor ein älterer Mann über 50 ist (ja). An dem Punkt habe ich mal kurz darüber nachgedacht das Hörbuch abzubrechen, bin aber drangeblieben. Versöhnlich war für mich, dass die letzten 2 Stunden des Krimis dann tatsächlich spannend waren, denn da nimmt die Krimihandlung endlich Fahrt auf und der eigentliche Fall steht im Mittelpunkt. Für mich der beste Teil des Buches und ein versöhnliches Ende. Gelesen wird das Buch von Michael-Che Koch, der einen guten Job macht, die Schwächen des Buches für mich aber nicht ganz ausgleichen konnte.