Der Essay handelt von Quellen philosophischer Weisheit: Mythos, Religion, Mystik, Dichtung. Platon glaubt an überlieferte Mythen, Marc Aurel vertritt eine religiös geprägte Naturphilosophie, Boethius lehrt eine monotheistische Metaphysik. Die Lebensweisheiten Schopenhauers und Russells sind Einsichten der säkularen Vernunft. Camus findet einen antiken Mythos, der das anschaulichste Bild für die Weisheit des Absurden abgibt. Tugendhat konzipiert eine religionslose Mystik asiatischen Stils. Heidegger übersetzt prophetische Worte Hölderlins in die Sprache der Seinsphilosophie. Da die säkulare Philosophie unfähig ist, einen metaphysischen Sinn anzugeben, plädieren Adorno und Habermas für eine Aneignung religiöser Gedanken. Josef Pieper spricht sich für eine christliche Philosophie aus, weil die echte Philosophie ihrem Wesen nach offen sein müsse für die religiöse Überlieferung. Dem entspricht die erstaunliche Erkenntnis, daß die Grundfrage der Metaphysik eine religiöse Voraussetzung hat.