Werbung | Rezensionsexemplar
Corona.
Schule.
Bruchlinien.
Wow! Ich war skeptisch und wurde total überzeugt!
Mit Bruchlinien ist Gernot Rainer ein sehr starkes Debüt gelungen, das mich gerade auch als Ärztin sehr beschäftigt hat. Der Autor selbst ist Lungenfacharzt. Er erzählt aber nicht aus dem Krankenhaus, sondern aus dem Klassenzimmer.
Auf dieses Buch war ich sehr gespannt. Ich war aber auch unsicher, ob mir die Geschichte gefallen und wie der Autor dieses schwierige Thema umsetzen würde. Die Corona-Zeit ist noch nicht so lange her und ehrlich gesagt immer noch ein wunder Punkt. Mir war auch nicht klar, in welches Extrem das Buch ausschlagen würde. Niemals hätte ich gedacht, dass es dem Autor so gut gelingt, die Geschichte aus so vielen unterschiedlichen Blickwinkeln zu erzählen und zu überzeugen.
Die Geschichte spielt während der Corona-Pandemie und zeigt, wie sehr diese Zeit auch das Schulleben verändert. Es prallen unterschiedliche Meinungen, Ängste und Überzeugungen aufeinander. Zwischen Homeschooling und ständiger Überforderung auf allen Seiten steuern Kinder, Eltern und Lehrer auf einen zwischenmenschlichen Abgrund zu. Was ich vom Autor wirklich grandios gelöst fand, war, wie es ihm gelingt, die unterschiedlichen Sichtweisen und Beweggründe seiner Figuren verständlich zu machen und dabei alle Blickwinkel einzufangen.
Die Charaktere mit ihren ganz persönlichen Ängsten und Sorgen wurden vom Autor sehr eindrücklich dargestellt. Da ist der Lehrer, der zwischen allen Fronten steht, Vorschriften durchsetzen soll und es niemandem recht machen kann. Da sind die Eltern, von denen die einen die Maßnahmen befürworten und die anderen sie strikt ablehnen. Da sind die Schüler, die auf ihre Eltern und den Lehrer hören sollen. Und da ist der Opa, der noch einmal eine ganz andere Perspektive auf diese Zeit eröffnet. Alle haben ihre eigenen Befürchtungen, Sorgen und Beweggründe. Und alle versuchen auf ihre Weise, mit dieser außergewöhnlichen Situation umzugehen.
Die Szenen rund um die Erkrankung des Opas und die damit verbundenen Ängste seiner Familie sind mir besonders nahegegangen. Ich habe selbst auf einer Covid-Station gearbeitet und kenne solche Situationen aus eigener Erfahrung. Gerade die Besuchsbeschränkungen, die Hilflosigkeit der Angehörigen, aber auch des Krankenhauspersonals und die Unsicherheit, die diese Zeit mit sich gebracht hat, haben mich sehr beschäftigt. Ich habe mich damals selbst bei der Arbeit mit Covid infiziert und bin seitdem schwer krank. Das Buch hat deshalb viele Erinnerungen wieder wachgerufen und mich auch emotional sehr mitgenommen.
Bruchlinien, das bei Kremayr & Scheriau erschienen ist, ist für mich ein äußerst gelungenes Buch und ein großartiges Debüt. Ich kann dieses Buch wirklich allen sehr ans Herz legen, weil ich es nicht nur unglaublich gut, sondern vor allem extrem wichtig finde. Denn: Verständnis ist die Basis für ein friedliches Zusammenleben.
Vielen Dank an den Verlag Kremayr & Scheriau für das Rezensionsexemplar. Meine Meinung bleibt davon wie immer unbeeinflusst.